Social Anxiety am Arbeitsplatz - wie werde ich sie los?

Angst ist ein Begleitsymptom der modernen Welt. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die unsere Belastungsgrenzen immer wieder aufs Neue erprobt. Bei immer mehr Menschen äußert sich diese Last in Form von Ängsten, die sich zu einer Angststörung entwickeln können. Eine Form davon ist die Soziale Phobie, im Englischen Social Anxiety oder Social Anxiety Disorder. Gerade im Arbeitsleben kann sie oft zur Bürde werden. Wir erklären dir, wie du Social Anxiety bekämpfen kannst.

Social Anxiety am Arbeitsplatz

Was ist eigentlich Angst ganz genau?

Der Puls steigt, der Atem wird schneller, Schweißperlen tropfen vom Kinn und der Körper verspannt sich: wir haben Angst.

Angst ist eine natürliche Reaktion des Körpers, der von unseren Urahnen stammt:

Vor tausenden von Jahren war es ein wichtiger Mechanismus, den Körper bei drohender Gefahr, zum Beispiel durch wilde Tiere, in Alarmbereitschaft zu versetzen. Der Körper fährt Botenstoffe wie Noradrenalin hoch, damit er wach und fokussiert ist. Und auch heute kann Angst, zumindest in geringen Dosen, nützlich sein:

So sorgt sie davor, dass wir uns von gefährlichen Situationen fernhalten. Tritt sie allerdings vermehrt und in unangemessenen Situationen auf, wird sie zunehmend zur Belastung.


Was ist Social Anxiety?

Social Anxiety oder Soziale Phobie ist eine bestimmte Form der Angst, die chronisch zu einer Angststörung werden kann, wenn sie nicht behandelt wird. Sie beschreibt die Angst vor diversen zwischenmenschlichen, also sozialen Situationen.

Bis zu einem gewissen Grad sind auch soziale Ängste normal: Wir alle fühlen uns unwohl, wenn wir vor unbekannten Menschen einen schlecht vorbereiteten Vortrag halten müssen oder ein entscheidendes Bewerbungsgespräch vor uns steht. Bei einer sozialen Phobie sind diese Ängste jedoch so ausgeprägt, dass Betroffene beginnen, solche Situationen zu vermeiden oder nur unter großer Qual durchzustehen.

Eine soziale Phobie kann unbehandelt dazu führen, dass Menschen auch Alltagssituationen wie den Einkauf oder eine Fahrt mit der U-Bahn meiden und sozial verwahrlosen. Außerdem kann es zu Depressionen und einem Burnout führen. Damit es so weit gar nicht erst kommt, solltest du die folgenden Symptome als Warnsignale wahrnehmen:

Symptome als Warnsignale:

  • Angst vor prüfender Betrachtung von anderen Menschen
  • Angst, in der Öffentlichkeit zu essen
  • Angst, in der Öffentlichkeit zu sprechen
  • Angst, sich mit dem anderen Geschlecht zu treffen
  • Erröten
  • Vermeiden von Blickkontakten
  • Zittern
  • Herzrasen
  • Durchfall
  • Übelkeit
  • Vermehrter Harndrang
  • Blackout
  • Niedriges Selbstwertgefühl
  • Angst vor Kritik
  • ausgeprägtes Vermeidungsverhalten, soziale Isolation
  • Panikattacken

Social Anxiety im Arbeitsleben

Im Berufsleben sind wir ständig sozialen Situationen ausgesetzt, die Angst verursachen können. Sei es ein

  • kritisches Gespräch mit der Vorgesetzten,
  • ein Pitch vor einem Team oder
  • der Smalltalk an der Kaffeemaschine.

Für Menschen mit sozialen Ängsten werden all diese Situationen zur großen Belastung. Oftmals flüchten sie sich in ihre Arbeit, um jegliche Konfrontationen zu vermeiden. Gehst du nicht offen mit deinem Zustand auf der Arbeit um oder haben deine Mitarbeitenden kein Verständnis für deine Situation, kann sich das

  • negativ auf das Arbeitsklima,
  • deine Leistung und schließlich auch auf
  • deine Karriere auswirken.

Oftmals kommt es zur sogenannten Angstspirale:

Du fürchtest dich bereits auf dem Weg ins Büro vor den Situationen, in denen du dich auf Arbeit fürchten wirst. In diesem Fall solltest du dringend ärztlichen Rat aufsuchen.


Was kann ich gegen Social Anxiety tun?

Wie man gegen Social Anxiety vorgeht, hängt vom Schweregrad deiner Ängste ab. Oft treten soziale Phobien nur temporär auf und gehen auch schnell wieder vorüber. Das kann zum Beispiel eintreten, wenn dich ein Lebensereignis wie

kurzzeitig erschüttert und Stress verursacht. Ist dein Selbstbild temporär geschädigt, sind soziale Ängste nicht unnatürlich. Etwa 13 % aller Menschen leiden in ihrem Leben zumindest einmal unter sozialer Phobie. Sie kann zum Beispiel auch durch vorübergehend Schlafmangel oder zu hohe Arbeitsbelastung entstehen und sich durch kleine Änderungen im Alltag beheben lassen.

Psychotherapie

Wenn eine soziale Phobie chronisch wird, solltest du dringend einen Arzt aufsuchen und dich zumindest zu einer klinischen Diagnostik an eine psychologische Fachkraft überweisen lassen.

Wird dir eine soziale Phobie diagnostiziert, kannst du diese therapieren lassen. Dein*e Therapeut*in betreibt zunächst Ursachenforschung und erkundet mit dir gemeinsam, woher deine Ängste stammen. Anschließend versucht ihr, ein Skill-Set zu erstellen, mit dem du soziale Situationen besser meistern kannst. Listen mit den sogenannten Skills kannst du auch im Internet finden.

Atemübungen

Atemübungen sind ein einfaches, aber effektives Mittel gegen Angst. Wenn du merkst, dass Angst in dir aufkommt, setze dich kurz an einem ruhigen Ort hin und atme viermal tief ein, halte bei jedem Atemzug jeweils kurz die Luft an und atme lange wieder aus. Das ist eine der einfachsten Atemübungen, im Internet kannst du zahlreiche weitere finden, die du dir antrainieren kannst.

Sport

Es ist eine Binsenweisheit von der Oma, aber ja: Sport hilft fast immer und somit auch bei Angst. Mit viel Bewegung kannst du einen körperlichen und seelischen Ausgleich schaffen, der deine Angst mildern kann. Besonders Formen der Gymnastik wie Yoga und Pilates können dich nachhaltig entspannen und temporäre Social Anxiety heilen.

Natürliche Beruhigungsmittel

Psychiater*innen verschreiben oft vorschnell starke Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine, um gegen Angst vorzugehen. Die führen allerdings schnell zu einer psychischen und körperlichen Abhängigkeit.

Bevor du zu solchen Mitteln greifst, hilft es dir vielleicht schon, auf natürliche Beruhigungsmittel zu setzen. Dazu zählen zum Beispiel Baldrian oder Hopfen. Das sind bekömmliche Stoffe, die auch deinen Körper nicht belasten.

Auch eine Aromatherapie mit Duftkerzen mit Lavendel- oder Eukalyptusgeruch kann angstlösend wirken.


Mut zur offenheit als unser Fazit für dich

Dass Menschen unter Angststörungen leiden, ist heute kein Geheimnis mehr. Rede mit deinen Freunden, deiner Familie oder vielleicht sogar mit deinen Kollegen bei der Arbeit über deine Symptome. Es kann gut sein, dass manche von ihnen bereits die gleichen Probleme erlebt haben wie du.

Vielleicht hat jemand sogar einen guten Tipp für dich parat. Offenheit führt jedenfalls im besten Fall dazu, dass du dich besser verstanden fühlst und automatisch mehr entspannen kannst. Natürlich ist das Outing am Arbeitsplatz immer noch mit Risiko verbunden, aber heutzutage herrscht ein viel größeres Bewusstsein für psychische Belastungen als noch vor zehn Jahren.

Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass du von deiner Offenheit profitierst und dir die Arbeit endlich wieder etwas leichter fällt.

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