Burnout (frühzeitig!) erkennen und handeln

Psychische Erkrankungen nehmen sukzessive zu und ganz oben auf der Diagnoseliste steht »Burnout«. Mitverantwortlich ist dafür das immer anspruchsvoller werdende Arbeitsumfeld, begleitet von Stress und Leistungsdruck an sich selbst. Es ist wichtig, Anzeichen eines drohenden Burnouts frühzeitig zu erkennen und psychosomatische Symptome bewusst wahrzunehmen. Die Ursachen sind vielseitig, jedoch nicht immer auf Seiten der Arbeitgeber verankert. Oftmals kreieren sich überdurchschnittlich motivierte Arbeitnehmer*innen ihre "Burnout-Spirale" selbst, aus der nur mehr schwer herausgefunden werden kann, da das Burnout-Syndrom oftmals erst spät erkannt wird. Betroffene empfinden das Gefühl, unersetzlich zu sein, innerhalb dem sie sich keine Pausen oder gar Freizeit gönnen. Darauf folgt Gleichgültigkeit und im letzten Stadion die Depression. Was hinter dem Burnout-Syndrom steckt, welche Ursachen es gibt und wie die Behandlung aussieht, möchten wir dir in diesem Beitrag erklären.

Burnout erkennen und handeln

Was ist ein Burnout bzw. das Burnout-Syndrom?

Bei einem Burnout handelt es sich um einen seelischen und körperlichen Zusammenbruch - das absolute Gefühl von Erschöpfung. Auch der leidende Weg dorthin, wird bereits als Burnout-Syndrom bezeichnet. Daraus resultieren Unruhe, Angstzustände und Kraftverlust.

Ein Burnout wird von unterschiedlichen körperlichen Erscheinungen begleitet, das Krankheitsbild ist allerdings bei allen Betroffenen unterschiedlich. Bei einem Burnout-Syndrom handelt sich auf jeden Fall um eine ernst zunehmende Erkrankung. Der Auslöser ist oft im beruflichen Umfeld zu finden. Ein Burnout, oder übersetzt das „Ausgebranntsein“, mündet in den meisten Fällen in die Arbeitsunfähigkeit und Depression. Kennst auch du (vermutlich) Betroffene, die denken, unentbehrlich zu sein und auch am Wochenende lieber im Büro sitzen, als die Freizeit zu genießen? Erwischst du dich vielleicht manchmal selbst dabei, großen Leistungsdruck zu verspüren, an Überforderung zu neigen oder hast das Gefühl, ohne dich läuft nichts?

Auch unsere Stress-Autobahn braucht eine Geschwindigkeitsbegrenzung.

Helmut Glaßl


Diagnose Burnout: Die ersten Anzeichen eines Burnouts bei der Arbeit

Ein typisches Burn-out-Symptom ist das Gefühl von erschöpftem, gestressten und depressivem Zustand. In den meisten Fällen spielt sowohl das Privatleben als auch das Berufsleben eine Rolle.

Work-Life-Balance ist hier das Stichwort!

Ein Burnout kommt nicht von heute auf morgen, meist ziehen sich die ersten Symptome über mehrere Monate, oder sogar Jahre hinweg. Ein konkretes Symptom gibt es nicht – es handelt sich vielmehr um ein Konglomerat auf verschiedenen Ebenen, wodurch die Diagnose nicht immer einfach ist. Wer ein Burnout hat, der leidet – jeweils mehr oder weniger stark ausgeprägt – sowohl körperlich als auch psychisch.

Typische Anzeichen sind des Burnout-Syndroms:

  • Körperliche Beschwerden (körperliche Erschöpfung, körperliche Erkrankung)
  • Veränderungen der psychischen Befindlichkeit (Psychische Symptome, Depression)
  • Verhaltensänderungen
  • Rückzugstendenzen
  • Werteveränderungen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Vernachlässigung sozialer Kontakte und das Meiden anderer Menschen
  • Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
  • Emotionale Erschöpfung
  • Innere Leere
  • psychosomatische Beschwerden

Wie kommt es zu einem Burnout?

Wie bereits erwähnt, ist jedes Burnout individuell und klassifiziert sich in verschiedene Stadien. Genaue Symptome und allgemeine Behandlungsmöglichkeiten gibt es nicht. Ungefähr 15% der Bevölkerung sind von Burnout und ähnlichen burnoutartigen Symptomen betroffen. Das Burnout-Risiko steigt mit folgenden Faktoren erheblich:

Die häufigsten Auslöser

  • Leistungsdruck – Zwang sich zu beweisen
  • Zu hohe Erwartungen an sich selbst
  • Hohe Ansprüche an die eigene Leistungsbereitschaft
  • Zu viel Arbeit
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Sinnverlust und Verzweiflung bei der Arbeit
  • Verdrängung von Problemen
  • Schlechtes Arbeitsklima
  • Streit am Arbeitsplatz
  • Kontrolle – der Drang alles zu Überprüfen
  • Konkurrenzdruck und beruflicher Stress
  • Zur geschäftlichen Erreichbarkeit verpflichtet

Möglichkeiten zur Behandlung

Zunächst muss die korrekte Diagnose erstellt werden, bevor mit der Burnout-Therapie begonnen werden kann. Nicht selten werden Betroffene von Arzt zu Arzt geschickt, um Symptome zu behandeln, ohne der eigentlichen Ursache auf den Grund zu gehen. Wenn dann feststeht, dass der Patient oder die Patientin unter einem "Ausgebranntsein" leidet, gilt es, dieses erfolgreich zu behandeln und vorallem sofort Maßnahmen für die schnelle Genesung zu ergreifen.

Burnout frühzeitig und behandlen - wienerjobs.at

1) Erkrankung akzeptieren

Zunächst ist es wichtig, dass die Krankheit von Burnout-Betroffenen eingesehen, akzeptiert und verstanden wird. Es kann nicht Feuer mit Feuer bekämpft werden. Die Heilungsphase bedarf Zeit, Geduld und die Bereitschaft zum Loslassen. Es sollte kein Job der Welt es wert sein, die Gesundheit (körperlich sowie seelisch) auf das Spiel zu setzen.

2) Darüber sprechen

Vertrauenspersonen, Bekannte und Familienangehörige bieten sich bei ersten Anzeichen als persönliche Ansprechpartner sehr gut an, da diese Mitmenschen über das jene Selbstbild der Erkrankten erzählen können. Wir selbst entscheiden über unseren Körper und über die Personen, die uns während dieser Zeit begleiten sollen. Die Ursache für den entstandenen Zustand sollte analysiert werden, ebenfalls sollte kein Verzicht von einem ärztlichen und psychologischen Rat in Betracht gezogen werden. Ein Gespräch mit einem geheilten Patienten bringt ebenfalls schnelles Licht ins Dunkle. Betroffene Personen sprechen über deren Erfolgserlebnisse, was in einem selbst die Motivation wecken kann und für die Behandlung positive Auswirkungen erzielt.

3) Individuelle Beschwerden analysieren

Leider gibt es aufgrund der Vielschichtigkeit und der zahlreichen unterschiedlichen Ausprägungen keine Standardtherapie. Es ist immer wichtig, sich an den individuellen Beschwerden zu orientieren. Auf jeden Fall ist es wesentlich, frühzeitig mit der Therapie zu beginnen.

4) Erste Maßnahmen für verminderter Leistungsdruck

Dabei gibt es verschiedene Punkte, an denen angesetzt werden kann. Es kann um verbessertes Zeitmanagement gehen, um Entspannungstechniken oder um autogenes Training.

Wichtig ist auch das sogenannte Genusstraining: Der Patient verlernt im Lauf der Zeit, Dinge einfach genießen zu können – und diese Fähigkeit kann trainiert werden. Auch körperliche Aktivität sollte nicht zu kurz kommen, da Stress mit Sport abgebaut wird. Nicht vergessen werden sollte auch nicht die richtige Ernährung. Beispielsweise können gesunde Snacks fürs Büro oder Musik am Arbeitsplatz die gute Stimmung „am Leben halten“.

In unserem weiteren Beitrag „In 4 Schritten zu deinem perfekten Arbeitstag“ erfährst du, wie du optimal und jeden Tag aufs Neue erfolgreich deinen Arbeitsalltag meisterst.

5) Auslöser aufdecken

Die Analyse der (beruflichen) Auslöser des Burnouts ist von großer Bedeutung, dies erfolgt zumeist gemeinsam mit einem Psychotherapeuten in vielen Einzelsitzungen.

6) Burnout-Therapie und Behandlungsmöglichkeiten

Bei besonders schwer erkrankten Patienten kann es notwendig sein, medikamentös mit Antidepressiva oder Beruhigungsmitteln zu behandeln – diese Phase ist allerdings vorübergehend und darf niemals auf Dauer angelegt sein.

Die Behandlung eines Burnouts ist keine Angelegenheit von wenigen Wochen. Der Patient muss sein Leben neu ordnen. Faktoren, die zur Erkrankung geführt haben, sollten ausgeschaltet werden, um wieder sinnvolle Kraft tanken zu können. Durchaus kann diese wichtige Entscheidung das bestehende Arbeitsverhältnis gefährden. Denn gerade, wenn der Job der Auslöser für ein Burnout ist, kann ein bevorstehendes Fernbleiben der Arbeitsstelle nicht umgangen werden. Nach verstrichener Zeit muss zusätzlich ein Jobwechsel bewusst in Betracht gezogen werden, um langfristig für eine anhaltende Gesundheit zu sorgen.

Die finale Heilung kann bis zu mehreren Jahren andauern, von voreiligen Schlüssen ist auf jeden Fall Abstand zu halten.


Dem Burnout langfristig vorbeugen

Termine bis zum Umfallen, keine Pausen und auf dem Weg zur Arbeit schon Mails beantworten? Um ein Burnout vorzubeugen, spielt in erster Hinsicht das Selbstverständnis und die Selbstkontrolle eine große Rolle. Nach der Arbeit sollten nicht nur Firmanhandys und Laptops ausgeschalten werden, sondern auch die Gedanken frei von Mails und geschäftlichen Terminen oder Projekten sein. Wer die Freizeit für das Wohlbefinden nützt, wird am nächsten Tag automatisch mit einer besseren Leistungsqualität bei der Arbeit erscheinen.

Ausgeglichenes Berufs- und Privatleben

Eine Work-Life-Balance bedeutet den Einklang zwischen Beruf- und Privatleben herzustellen und dabei keine Bedürfnisse aus den beiden Welten zu vernachlässigen.

Stelle dir die Frage: Sorgst du gleichermaßen für deine Familie und deine beruflichen Belangen? Ein gesundes Verhältnis soll uns glücklicher machen und eine insgesamte Zufriedenheit ausstrahlen. Warum die Balance gerade heut zu Tage so wichtig ist? Von Arbeitnehmer*innen wird immer mehr erwartet, auch die Anforderungen an sich selbst wachsen ständig. Wir Menschen sind also Tag für Tag einem enormen Leistungsdruck ausgesetzt, das einen Stressfaktor mit sich bringt. Mehr Stress erfordert mehr Ausgleich - dann fehlt uns die Zeit dafür und wir geraten mit der Work-Life-Balance in ein Ungleichgewicht. Hält diese Situation für eine längere Zeit an, wird das Burnout hervorgerufen.

Unsere 5 Tipps für die perfekte Balance:

  • Effektives Arbeiten – konzentriere dich auf das Wesentliche
  • Nein sagen! Du musst nicht immer erreichbar und auf Abruf sein
  • Ausgleich suchen – Hobbys finden, Sport machen, Freunde treffen
  • Deine Struktur wechseln. Frage dich selber: „Welche Veränderungen würden dein Leben erleichtern?“
  • Klein anfangen und dann darauf aufbauen

Exkurs: Bewerbermarkt, Fachkräftemangel und neue Generationen

Der Arbeitsmarkt befindet sich im Wandel. Wir verzeichnen einen Paradigmenwechsel hin zum Bewerbermarkt. Darin wird es für Arbeitgeber immer schwieriger, qualifizierte Bewerber*innen zu akquirieren. Ursachen dafür sind der Fachkräftemangel sowie die neuen Generationen, die als Bewerber*innen Anforderungen an das Unternehmen stellen. Demnach erfordert das erfolgreiche Recruitment neuer Mitarbeiter*innen ein ansprechendes Arbeitgeberimage, das am Bewerbermarkt zu etablieren ist.

Das Schicksal liegt nicht in der Hand des Zufalls, es liegt in deiner Hand, du sollst nicht darauf warten, du sollst es bezwingen.

William Shakespeare


Bin ich betroffen?

Beantworte folgende Fragen für dich selbst:

  • Fühlst du dich körperlich oder seelisch erschöpft?
  • Kannst du alltägliche Dinge, wie zum Beispiel Essen, nicht genießen?
  • Leidest du an permanenter Lustlosigkeit?
  • Hast du Schlafprobleme?
  • Bist du bei Kleinigkeiten gereizt oder verärgert?
  • Kontrollierst du alles doppelt und dreifach?
  • Hast du Schmerzen ohne medizinischer Ursache?
  • Hast du das Gefühl nichts auf die Reihe zu bekommen?
  • Dir fehlt die Sinnhaftigkeit bei den meisten Tätigkeiten?

Wenn du die meisten Fragen mit „JA“ beantworten kannst, solltest du aufwachen und dir deiner Situation bewusst werden. Spreche als Burnout-Betroffene*r mit deinen Mitmenschen, ob auch diese Personen eine Veränderung an dir wahrgenommen haben. In zweitem Schritt solltest du eine professionelle Hilfe zur Seite ziehen.

Je früher die Anzeichen auf ein Burnout erkannt werden, umso schneller wird es dir mit einer Behandlung wieder besser gehen.


UNSER FAZIT FÜR DICH

STOP TRYING TO BE PERFECT! Perfektionismus ist eines der wohl am häufigsten Auslöser für ein Burnout. Jede neunte Person leidet unter dieser ernstzunehmenden Erkrankung oder ähnlichen Symptomen. Das ins Deutsche übersetzte „Ausgebrannt sein“ sollte nicht unterschätzt werden. Die häufigsten Symptome sind Erschöpfung, ständiges Stressempfinden und Depressivität bei kleinsten Angelegenheiten, jedoch können weit aus mehreren Erscheinungen auftreten, es gilt also bei jeder kleinsten Wahrnehmung wachsam zu sein.

Je früher ein Burnout festgestellt wird, desto besser, denn umso eher kann auf die Ursache zurückgegriffen werden und die Krankheit behandelt werden.

Privat- oder Berufsleben? Meistens spielen beide Faktoren als Auslöser eine wichtige Rolle für Burnout gefährdete Personen. Aus diesem Grund ist zu jeder Zeit eine gesunde Work-Life-Balance gefragt. Den Einklang zwischen Privatem und Beruflichem zu schaffen ist ein nie endender Prozess und bedarf an ständiger Arbeit. Kann jedoch von einem Gelingen gesprochen werden, ist man automatisch seinen Karrierezielen einen Schritt näher - denn glücklich sein, bedeutet gleichzeitig, ERFOLGREICH SEIN!

Dein Team von wienerjobs.at

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