Gehaltsunterschiede zwischen Branchen

Gleicher Lohn für alle? Erhebungen der Statistik Austria zeigen immer wieder auf, dass es teilweise erhebliche Gehaltsunterschiede zwischen den einzelnen Branchen, Funktionen und Berufsgruppen gibt und für eine Stunde Arbeit längst nicht überall das gleiche Entgelt zu erwarten ist. Maßgeblichen Einfluss haben aber natürlich auch die höchste abgeschlossene Ausbildung und etwaige Berufserfahrung im jeweiligen Gebiet, welche entscheidend mitbestimmen, wie viel Lohn du am Ende des Monats auf dem Konto hast. Wir haben dir dazu die wichtigsten Daten um Überblick zusammengestellt, um dir eine erste Orientierungshilfe zu bieten.

Gehaltsunterschiede zwischen Branchen

Gehaltsunterschiede im Überblick

Es gibt sehr viele unterschiedliche Möglichkeiten, Gehaltsunterschiede darzustellen – allgemein werden dabei aber meist auf die Unterschiede zwischen Branchen, Funktionen und Berufsgruppen eingegangen, welche wir nachfolgend für euch zusammengefasst haben.

Ganz egal auf welche Art – alle Unterscheidungsmöglichkeiten haben eine geregelte und damit festgelegte Zusammenfassung bestimmter unselbständiger Erwerbstätiger zu Gruppen gemeinsam, wodurch erst ein Vergleich möglich wird. Die daraus gewonnen Daten sind nicht nur für politische Maßnahmen und öffentliche Diskurse von Bedeutung, sondern können dir auch im persönlichen Bereich helfen. Wenn du dich also beispielsweise nach einer Ausbildung oder einer Karriere in einem anderen Bereich umschaust, kann ein Blick auf das jeweilige durchschnittliche Einkommen bestimmt nicht schaden, um dadurch eine ungefähre Zukunftsprognose für dich selbst erstellen zu können.

In diesem Beitrag haben wir statistische Daten für euch vereinfacht zusammengefasst, die aus dem aktuellsten „Allgemeinen Einkommensbericht 2018“ der Statistik Austria stammen (welchen du unter www.statistik.at neben vielen anderen statistischen Daten rund um Österreich findest). Aus diesem Bericht geht hervor, dass das durchschnittliche Jahresbruttoeinkommen der unselbständig Erwerbstätigen im Jahr 2017 bei rund 26.800 € lag (laut Daten von über 4,4 Millionen Personen). Auch in den folgenden Abschnitten sprechen wir stets vom durchschnittlichen Jahresbruttoeinkommen 2017 der jeweiligen Gruppen. (Und für die Statistik-Kenner*innen unter euch: Zur Darstellung des umgangssprachlichen Durchschnittes haben wir den Median herangezogen.)


Unterschiede in den Branchen

Besonders populär scheint die Darstellung der Gehaltsunterschiede nach Branchen zu sein. Dies macht auch durchaus Sinn, da dadurch schnell ein Bild der jeweiligen Einkommensmöglichkeiten gezeichnet werden kann. Dabei werden im Einkommensbericht 21 verschiedene Branchen angeführt, die – wie eingangs erwähnt – nach bestimmten Regeln (ÖNACE 2008) voneinander abgegrenzt werden können.

Spitzenreiterin unter den Branchen ist die Energieversorgung mit einem Jahresbruttogehalt von rund 56.000 €. Mit einem deutlichen Abstand von über 10.000 € belegen die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (ca. 45.700 €) den zweiten Platz, gefolgt von Information und Kommunikation (ca.41.800 €). Das Schlusslicht bildet – ebenfalls mit Abstand – die Land- und Forstwirtschaft/Fischerei mit knapp 4.000 €. Hier sei aber erwähnt, dass es sich wohl hauptsächlich um (saisonale bzw. Teilzeit-) Hilfsarbeitskräfte handelte und nicht um das Einkommen von Land- und Forstwirt*innen, da diese selbständig erwerbstätig sind und demnach nicht berücksichtigt wurden.

Die meisten unselbständigen Erwerbstätigen (rund 650.000 Arbeitnehmer*innen) waren in der Warenherstellung tätig und haben dabei ca. 37.400 € verdient. Knapp darauf (rund 635.000 Arbeitnehmer*innen) folgt der Handel bzw. die Instandhaltung/Reparatur von Kraftfahrzeugen, wo durchschnittlich 23.600 € verdient wurden. Den dritten Platz (rund 591.000 Arbeitnehmerinnen) belegt die öffentliche Verwaltung bzw. Verteidigung sowie Sozialversicherung – hier haben Angestellte rund 39.000 € verdient.

Unterscheidung nach Funktion

Bei den Branchenunterschieden wurden aber auch alle Funktionen (und Berufsgruppen – nächster Abschnitt) im jeweiligen Bereich berücksichtigt. Unselbständig Erwerbstätige können aber des Weiteren auch unter folgende vier „Funktionen“ gegliedert und demnach verglichen werden:

  • Beamtinnen*Beamte
    Das sind all jene, die „im Staatsdienst“ tätig sind und via Bescheid für die jeweilige Tätigkeit einberufen wurden. Darunter fallen beispielsweise Exekutiv- oder militärischer Dienst sowie Richter*innen.
  • Vertragsbedienstete
    Auch Vertragsbedienstete sind im „Staatsdienst“ tätig – durch die Einschränkung von „Pragmatisierungen“ (= Einberufung zum Staatsdienst als Beamter*Beamtin) wurde hier im Verwaltungs-, Krankenpflegedienst und für Lehrer*innen vom öffentlich-rechtlichen zum vertraglichen Dienstverhältnis gewechselt. (Derzeit finden sich in diesen Bereichen noch Beamte*Beamtinnen, welche nach Pensionierung aber durch die „neuen“ Vertragsbedienstete ersetzt werden.)
  • Angestellte
    Als Angestellte können all jene bezeichnet werden, die kaufmännische Dienste, Büroarbeiten und „höhere Aufgaben“ übernehmen – Verkäufer*innen, Sachbearbeiter*innen, Programmierer*innen, Ordinationshilfen,… Die Liste könnte sehr lange weitergeführt werden.
  • Arbeiter*innen
    Hier fällt die Definition etwas schwieriger aus, da diese nicht wirklich gesetzlich geregelt ist – grob gesagt können hier Arbeitnehmer*innen gemeint sein, die sich bei der Ausübung ihres Berufes auch (mehr) körperlich betätigen wie beispielsweise Handwerker*innen, Monteur*innen, Lagerarbeiter*innen, usw. Über die Qualität der Ausbildung sagt die Bezeichnung jedoch nichts aus (gute Ausbildung = Facharbeiter*innen) – der Unterschied zu Angestellten lässt sich viel mehr im Rechtlichen finden (derzeit z.B. noch unterschiedliche Kündigungsfristen).

Die Auflistung nach Funktionen bietet ebenfalls einen guten Einblick in Gehaltsunterschiede, denn die Ordnung der Liste ist nicht zufällig gewählt: Das Jahreseinkommen sinkt von oben nach unten – so haben Beamte*Beamtinnen im Jahr 2017 mit durchschnittlich rund 56.000 € mehr als das Doppelte gegenüber den Arbeiter*innen (ca. 24.000 €) verdient. Einen neuen Job in einer höheren Funktion kannst du dir übrigens ganz einfach auf wienerjobs.at/jobs/ suchen.


Gehaltsunterschiede nach Berufsgruppen

Zu guter Letzt betrachten wir noch die Unterschiede zwischen den jeweiligen Berufsgruppen. Hier wurden – wieder nach vorgegebenen Regeln (ÖISCO-08) – zehn verschiedene Gruppen gebildet, um sie miteinander vergleichen zu können. Bei dieser Unterscheidung wird auch besonders gut deutlich, dass der (richtige) Bildungsabschluss eine bedeutende Rolle für die Verdienstmöglichkeiten spielt.

An der Spitze stehen hier – wenig überraschend – Führungskräfte mit einem unschlagbaren Einkommen von rund 63.500 €. Weit darunter (aber immer noch überdurchschnittlich) teilen sich den zweiten Platz die akademischen Berufe mit Angehörigen der regulären Streitkräfte – hier konnten jeweils ca. 43.000 € verdient werden. Mit rund 15.600 € haben Hilfsarbeitskräfte im Jahr 2017 am wenigsten aller Berufsgruppen verdient. Nur knapp darüber liegt die Berufsgruppe mit den meisten Angestellten (820.500) – die Dienstleistungsberufe und Verkäufer*innen. Diese haben mit rund 16.600 € ebenso weit unter dem Durchschnitt verdient.

Nachdem wir nun geklärt haben, dass bereits die Funktion einen erheblichen Einfluss auf deinen Gehalt haben kann, muss nun auch Rücksicht auf die jeweilige Stellung bzw. Berufsgruppe genommen werden. Je nachdem in welchem Berufsfeld du tätig bist/wirst und auf welcher Stufe der jeweiligen Unternehmenshierarchie du dich wiederfindest, kann deine Entlohnung bedeutend variieren. Um hier statistische Daten zu erfassen, werden von der ISCO (International Standard Classification of Occupations) berufliche Tätigkeiten klassifiziert, um diese zusammengefasst betrachten zu können. In Österreich werden dabei (nach dem Ö-ISCO-08) zehn verschiedene Gruppen – von Führungs- hin zu Hilfsarbeitskräften – angeführt und zusammen ausgewertet. Das durchschnittliche Jahresbruttoeinkommen lag im Jahr 2017 bei rund 28.300 €.

Hier wird besonders gut ersichtlich, dass sich bei der Höhe deines Gehaltes eine gute Ausbildung und etwaige Berufserfahrung durchaus lohnt: An der Spitze liegen (wenig überraschend) Führungskräfte mit einem Jahresbruttogehalt von rund 63.000 € gefolgt von akademischen Berufen mit rund 43.000 € – um zu den Top-Verdiener*innen zu zählen, wird also meist ein (höherer) Bildungsabschluss vorausgesetzt. Aber auch um ein etwas weiter gefasstes durchschnittliches Bruttojahreseinkommen von ca. 25.000 – 30.000 € zu erreichen, ist meist eine einschlägige Ausbildung von Nöten, denn ist diese nicht vorhanden, bleibt oft nur die Tätigkeit als Hilfsarbeitskraft – die Berufsgruppe, welche sich mit rund 15.600 € Jahresbruttogehalt am zehnten und letzten Platz wiederfindet.

UNSER FAZIT FÜR DICH

Wir können abschließend zusammenfassen, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, um Gehaltsunterschiede festzustellen. Wenn du dir selbst einen Überblick machen möchtest, was du in einer bestimmten Branche verdienen kannst, bieten dir die angegeben Daten zwar einen ersten Überblick, dabei musst du aber immer auch deine Funktion und/oder die jeweilige Berufsgruppe berücksichtigen, um eine genauere Prognose erstellen zu können. In unserem weiteren Beitrag Die Gehaltsverhandlung findest du indes wertvolle Tipps, wie du allgemein ein höheres Gehalt aushandeln kannst.

Dein Team von wienerjobs.at

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