Zur Chancengleichheit bei Bewerbungen

Das nicht immer jene Bewerber*innen mit den besten Qualifikationen einen Job ergattern, sondern Faktoren wie Geschlecht, Alter oder Herkunft teilweise relevanter sind, als die eigentlichen Fähigkeiten des Kandidaten, dürfte bekannt sein. Anonymisierte Bewerbungsverfahren können ein Weg sein, um Diskriminierung einzudämmen und benachteiligten Gruppen bessere Chancen zu ermöglichen.

Chancengleichheit | Bei Bewerbungen

JOBCHANCE NACH AUSSEHEN?

Das Leben für attraktive Person ist einfacher. Sie machen mehr Geld, werden schneller unterstützt und in vielen Fällen sind sie auch erfolgreicher. Ganz zu schweigen von der Jobsuche - Studien belegen, dass attraktivere Persönlichkeiten es tatsächlich auf dem Arbeitsmarkt leichter haben und mehr Erfolgschancen in der Bewerbungsphase erzielen. Traurig aber wahr!

Übergewichtige Frauen beispielsweise haben einer Studie zufolge deutlich schlechtere Karten am Arbeitsmarkt. Die Untersuchung wurde mithilfe von Vorher-Nachher-Fotos, die von sechs fettleibigen Frauen im Rahmen einer Magenverkleinerung gemacht wurden, durchgeführt. Diese Bilder wurden 102 Studenierenden vorgelegt, die dann über Jobchancen und mögliches Gehalt der abgebildeten Frauen urteilen sollten. Laut der Forschungsleitung wurden dicke Frauen in allen Kategorien diskriminiert. Interessantes Detail: je mehr die Studierenden von der eigenen Attraktivität überzeugt waren, desto mehr Vorurteile hegten sie gegenüber übergewichtigen Personen. Den Grund dafür sehen die Forscher darin, dass man sich in seinem eigenen Körper wohler fühle, je mehr man ihn mit der Figur von anderen kontrastiere.


Wirken anonymisierte Bewerbungsverfahren gegen ungerechte Jobchancen?

Anonymisierte Bewerbungsverfahren können ein Mittel sein, solchen Diskriminierungen entgegenzuwirken. Auch Personen mit Migrationshintergrund, sowie ältere Arbeitnehmer können von solchen Verfahren profitieren und ihre Chancen auf ein Vorstellungsgespräch erheblich erhöhen. Es ist eindeutig bewiesen, dass auch Unternehmen von einer Vielfalt profitieren und durch anonymisierte Verfahren von mehreren Personen angesprochen werden. Unter anderen Umständen würde eine Bewerbung erst gar nicht in Betracht gezogen werden. Die Anonymisierung wird bereits in vielen Bereichen besprochen und auch eigesetzt, so werden beispielsweise bei Prüfungen in der Schule anonyme Klausuren fairer benotet.

Was sagen die Personalentscheider zu Bewerbungen ohne Profilbild?

Manche Personalverantwortliche argumentieren allerdings, dass anonymisierte Verfahren mit mehr Aufwand verbunden seien: mithilfe eines standardisierten Fragebogens ist dies jedoch nicht der Fall, zudem liegt das Augenmerk ausschließlich auf den Qualifikationen des* Bewerbers*in, was das Profil schärft und den Bewerbungsprozess optimiert.

In den USA und Kanada sind solche Verfahren bereits standardisiert, Österreich und Deutschland haben noch deutlichen Nachholbedarf.


Doch wie soll eine anonymisierte Bewerbung aussehen?

Um Diskriminierungen vorzubeugen, ist der Lebenslauf ohne Angaben von Alter, Name, Geschlecht und Staatsangehörigkeit auszustellen. Das Bewerbungsfoto wird ebenfalls als unwichtig angesehen. Verzichten wir auf den vollständigen Namen, sollte auch die E-Mail-Adresse keine derartigen Angaben beinhalten. Demzufolge wäre eine postalische Bewerbung erforderlich, um tatsächlich anonym zu bleiben. Zum Gesamtpaket gehört ein kurzes Begleitschreiben, das den Personalverantwortlichen verdeutlicht, aus welchem Grund sich für ein anonymisiertes Verfahren entschieden wurde. Ebenfalls muss dem Unternehmen mitgeteilt werden, wie der*die Bewerber*in für eine Einladung zum Vorstellungsgespräch kontaktiert werden kann.

Nochmals zusammengefasst werden bei anonymisierten Bewerbungsverfahren folgende Angaben entfernt:

  • Vor- und Nachname
  • Geschlecht
  • Geburtsdatum bzw. Alter
  • Nationalität und Geburtsort
  • Beeinträchtigungen bzw. Behinderungen
  • Bewerbungsfoto
  • Kontaktdaten, die deine Identität verraten

Anonymisierte Bewerbungsverfahren können ein Weg sein, um Diskriminierungen zumindest im ersten Teil des Bewerbungsprozesses auszuschließen. Kandidat*innen überzeugen ausschließlich mit Erfahrungswerten, Fähigkeiten und die beweisbaren Qualifikationen, welche innerhalb der Unterlagen mitgeteilt werden können. Eine Anonymisierung führt definitiv zu mehr Chancengleichheit gegenüber den Jobanwärter*innen.


5 Go’s & 5 No Go’s für deine Bewerbung:

Wenige Minuten Aufwand entscheiden oftmals über die Karrierechancen und das Erfolgsversprechen. Das Erstellen von Bewerbungsunterlagen sollte also bewusst und strategisch angegangen werden. Die Stellenausschreibung gibt nicht nur wichtige Informationen über Anforderungen und Aufgaben, sondern dient als Wegweiser, wie die Unterlagen einzureichen sind. Diesem Weg gilt es zu folgen, denn ansonsten kassiert der Bewerber einen Minuspunkt, bevor die Zusammenfassung überhaupt beim Empfänger ankommt. Standardbewerbungen oder den Anschein zu übermitteln, dass es sich um ein Massenmail handelt, ist zu vermeiden. Laut einer Studie nimmt sich jeder zweite Personalbeauftragte höchstens 5 Minuten Zeit, um eine erste Vorselektion zu treffen.

NO GO’s

  • Tipp- & Flüchtigkeitsfehler
  • Unübersichtliche Formatierung
  • Unkommentierte Lücken im Lebenslauf
  • Standard-Texte oder kopierte Passagen aus dem Netz
  • Viel zu viele Informationen - weniger ist mehr

GO's

  • Kreative Gestaltung der Bewerbung (Achtung, nicht übertreiben)
  • Lebenslauf und Bewerbungsschreieben im gleichen Stil
  • Kurz und aussagekräftig
  • Fragen stellen: „Warum sollten Sie sich gerade für mich entscheiden?“
  • Zum Schluss die Bitte um ein Vorstellungsgespräch

Gleichberechtigung im Beruf

Nicht nur bei der Bewerbung spielt Gleichberechtigung und Diskriminierung eine große Rolle, sondern auch im alltäglichen Arbeitsleben. Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, ist heutzutage leider trauriger Alltag. Unterschwellige Beleidigungen aufgrund des Geschlechts, Alters, oder durch Behinderung sind in manchen Unternehmen immer noch gang und gäbe. Ganz oben auf der Gleichberechtigungs-Liste steht immer noch der Geschlechterkampf. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Mutterschutz für Väter und zu wenig Frauen in den Chefetagen.


Diskriminierung – Was machen?

Solltest du in der schlimmen Situation sein und von Arbeitskollegen oder Führungspositionen ungerecht behandelt werden, dann ist jetzt Schluss damit. TAKE ACTION! In der heutigen Zeit haben wir die Möglichkeit, uns der Diskriminierung zu stellen. Teile deine Empfindungen mit der ausschlaggebenden Person und gehe offen mit deinen Gefühlen um. Sieht diese Person das nicht ein, greifst du ganz einfach zum nächsten Schritt. Sprich es an, teile deine Beobachtungen und deine Situation den Personalverantwortlichen mit. Es ist deren Verantwortungsbereich, für Besserung zu sorgen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

UNSER FAZIT FÜR DICH

Gleichberechtigung und Diskriminierung sind leider noch immer Themen von großer Bedeutung. Vor allem in der Berufswelt sind diese Ereignisse trauriger Alltag. Egal, ob bei der Bewerbung durch Personalverantwortliche oder bei der Arbeit durch Kollegen, aber auch selbstverständlich im Privatleben. Diskriminierung hat keine Grenzen.

Wenn du dich diskriminiert und ungerecht behandelt fühlst, hilft nur eines: TAKE ACTION! Jetzt bist du gefragt, lass dir die ungerechte Behandlung nicht gefallen. Das erfordert Mut, doch du wirst sehen, es wird sich mehr als nur lohnen. Solltest du in der Bewerbungsphase auf Chancengleichheit setzen, dann probiere es doch mit der anonymen Bewerbung. Alles was du dafür tun musst ist:

  • Deine persönlichen Daten löschen
  • Informationen zu deiner Herkunft weglassen
  • Dein Alter nicht erwähnen
  • Kein Foto erforderlich

Dein Team von wienerjobs.at

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