Kategorie: Human Resources | Lesedauer: 05 min | aktualisiert am 30. Jänner 2026
Zielgruppe: Arbeitgeber:inenn und Arbeitnehmer:innen
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Was ist Remote Work?
Ich schreibe diesen Text nicht im Büro. Ich sitze im Park in einer ruhigen Ecke an einem alten Holztisch. Die Sonne scheint, ein Baum spendet mir Schatten. Darin sitzen Vögel und zwitschern vor sich hin. Andere Leute sitzen im Gras und lesen Bücher, unterhalten sich, hin und wieder spaziert jemand an mir vorbei. So oder so ähnlich stellen sich viele Remote Work bzw. Telearbeit vor. Und genau das ist seit 2025 in Österreich auch gesetzlich möglich.
Das neue Telearbeitsgesetz seit 1. Jänner 2025
Seit Anfang 2025 gilt in Österreich das Telearbeitsgesetz, das die bisherigen Homeoffice-Regelungen ersetzt und erweitert. Der Begriff "Homeoffice" wurde durch "Telearbeit" abgelöst – ein wichtiger Schritt, der die Realität der modernen Arbeitswelt besser abbildet.
Telearbeit bedeutet: Arbeitnehmer:innen erbringen ihre Leistungen regelmäßig unter Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie in ihrer Wohnung oder an einer sonstigen, nicht zum Unternehmen gehörenden Örtlichkeit.
Das Gesetz unterscheidet dabei zwischen zwei Formen:
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Telearbeit im engeren Sinn
Hierzu zählen:
- Die eigene Wohnung (Haupt- oder Nebenwohnsitz)
- Die Wohnung naher Angehöriger (Kinder, Eltern, Geschwister, Partner:innen)
- Co-Working-Spaces (selbst angemietet und versichert)
Vorteil: Voller Unfallversicherungsschutz – sowohl während der Arbeit als auch auf allen Wegen (Arbeitsweg, Kinderbetreuung, Einkäufe).
-
Telearbeit im weiteren Sinn
Darunter fallen alle anderen selbst gewählten Orte:
- Cafés und Restaurants
- Parks und öffentliche Plätze
- Hotels und Ferienwohnungen
- Bibliotheken
Rechtliche Rahmenbedingungen
Das Telearbeitsgesetz regelt klare Spielregeln:
- Schriftliche Vereinbarung zwischen Arbeitgeber:in und Arbeitnehmer:in ist verpflichtend
- Die Arbeitsorte müssen in der Vereinbarung festgelegt werden
- Arbeitsmittel müssen vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden (oder es erfolgt eine Kostenerstattung)
- Telearbeit kann aus wichtigem Grund mit einmonatiger Kündigungsfrist beendet werden
- Bestehende Homeoffice-Vereinbarungen bleiben gültig, können aber erweitert werden
Achtung: Nur fallweise Arbeit außerhalb der Betriebsstätte ("Eintagsfliege") fällt nicht unter das Telearbeitsgesetz.
Die Vorteile von Remote Working
Remote-Arbeit bietet zahlreiche Vorteile – allem voran Flexibilität für Mitarbeiter:innen. Das ist in der modernen Arbeitswelt ein entscheidender Faktor. Denn für die modernen Arbeitskräfte 4.0 ist Work-Life-Balance wichtig. Unabhängig vom Ort arbeiten zu können, ermöglicht das. Unternehmen, die diese Möglichkeit bieten, gelten somit als attraktivere Arbeitgeber:innen. Doch es gibt noch mehr:
Produktivität
Viele Führungskräfte und auch zahlreiche Mitarbeiter:innen sind überzeugt, dass die Flexibilität die Produktivität erhöht. Vorausgesetzt, es ist ruhiges, konzentriertes Arbeiten möglich – ob zu Hause, im Co-Working-Space oder im ruhigen Café.
Familienfreundlichkeit
Zur Work-Life-Balance zählt für viele auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Flexibilität bei der Telearbeit macht es einfacher, Arbeit und Familienleben zu organisieren. Der kurze Weg zur Kinderbetreuung oder die Möglichkeit, zwischendurch nach den Kindern zu sehen, sind wertvolle Vorteile.
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Zeitersparnis
Fahrzeiten von mehr als 30 Minuten sind keine Seltenheit – im Gegenteil. Telearbeit spart deshalb viel Zeit, die man anders nutzen kann – beispielsweise für die Familie, Sport oder persönliche Weiterentwicklung.
Umweltschutz
Der Wegfall des Arbeitswegs spart aber nicht nur den Mitarbeiter:innen Zeit und Geld. Er schont auch die Umwelt. Millionen Pendler:innen täglich sind durch den hohen CO2-Ausstoß nämlich eine große Belastung. Jeder eingesparte Arbeitsweg trägt zum Klimaschutz bei.
Employer Branding
Auch Unternehmen profitieren von Remote Work. Sie gelten in Zeiten des Fachkräftemangels als attraktive Arbeitgeber:innen und stärken damit ihr Employer Branding. Sie haben im War for Talents bessere Chancen, die begehrten Fachkräfte für sich zu gewinnen.
Allerdings zeigen aktuelle Trends für 2026, dass Telearbeit vom selbstverständlichen Standard zunehmend zum verhandelbaren Benefit wird. Das Angebot in Stellenanzeigen ist leicht rückläufig – von einem vorherigen Standard wird es nun zu einem Attraktivitätsfaktor, mit dem sich Unternehmen von der Konkurrenz abheben können.
Größerer Talentpool
Darüber hinaus sind Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften durch Telearbeit geografisch unabhängiger. Sie können aus einem größeren Pool an Bewerber:innen schöpfen, wenn dieser nicht örtlich eingeschränkt ist. Gerade in Zeiten, in denen 54% der österreichischen Arbeitnehmer:innen 2026 einen Jobwechsel planen, ist diese Flexibilität ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.
Einsparungspotential
Remote Work oder Telearbeit spart Unternehmen außerdem Ressourcen. Sie benötigen dadurch weniger feste Arbeitsplätze, weniger Bürofläche, weniger Parkplätze und weniger Energie – ein Aspekt, der in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten besonders relevant ist.
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Es gibt auch Herausforderungen
Natürlich gibt es nicht nur Vorteile. Sowohl für Arbeitgeber:innen als auch Arbeitnehmer:innen bedeutet die Telearbeit auch Herausforderungen.
Disziplin
Ablenkungen warten überall – im privaten Bereich, im Café und ganz besonders in ungewohnten Umgebungen. Trotz der Flexibilität, die mit Telearbeit einhergeht, konzentriert und produktiv zu arbeiten erfordert viel Selbstdisziplin. Der heimische Kühlschrank, die Waschmaschine oder das schöne Wetter – es gibt viele Versuchungen.
Trennung zwischen Arbeit und Privatleben
Hohe Produktivität ist nur möglich, wenn es auch möglich ist, konzentriert zu arbeiten. Kommen private Aufgaben wie die Betreuung der Kinder oder die Pflege von Angehörigen hinzu, kann das gerade bei Telearbeit zu Hause durchaus schwierig werden.
Auch sonst kann die Trennung von Privatleben und Beruf durch Telearbeit eine Herausforderung sein. Schnell beim Mittagessen eine Nachricht beantworten oder nach Feierabend noch ein Telefonat annehmen – die Grenzen verschwimmen. Das führt dazu, dass manche Telearbeiter:innen gestresster sind als Menschen, die die Arbeit mit Verlassen des Büros tatsächlich hinter sich lassen.
Soziale Kontakte
Das Büro ist nicht nur ein Ort zum Arbeiten, sondern auch der sozialen Kontakte und Kommunikation mit Kolleg:innen. Bei reiner Telearbeit kommt das oft zu kurz und alleine zu Hause kann man sich schon einmal einsam fühlen. Besonders, wenn man vor einer Herausforderung steht und den spontanen Austausch mit Kolleg:innen vermisst.
Die soziale Isolation bei der Telearbeit ist einer der am häufigsten genannten Nachteile. Deshalb sind auch Co-Working-Spaces immer beliebter – sie verbinden die Vorteile der Telearbeit mit sozialer Interaktion.
Infrastruktur und Technik
Für Unternehmen kann es eine Herausforderung sein, die notwendige Infrastruktur aufzubauen und zur Verfügung zu stellen. Einerseits die aktuelle Technik sowie notwendige Tools für die Zusammenarbeit und Kommunikation. Andererseits stellt die Sicherung von Daten und Informationen eine besondere Herausforderung dar. Sensible Daten und Inhalte müssen gut gesichert werden – egal ob die Mitarbeiter:innen zu Hause, im Café oder im Co-Working-Space arbeiten.
Unfallversicherung und Rechtssicherheit
Die neue Unterscheidung zwischen Telearbeit im engeren und weiteren Sinn schafft zwar Klarheit, erfordert aber auch sorgfältige Planung bei der Wahl der Arbeitsorte. Arbeitnehmer:innen sollten sich bewusst sein, dass nicht jeder Ort den gleichen Versicherungsschutz bietet.
Aktuelle Entwicklungen 2026
Die Arbeitswelt entwickelt sich weiter – und mit ihr die Telearbeit:
Remote Work wird selektiver
Während Telearbeit lange als Standard galt, wird sie 2026 zunehmend zum Benefit, der individuell verhandelt wird. Nur noch etwa 14% aller Stellenausschreibungen bieten Remote-Work-Optionen explizit an. Unternehmen setzen vermehrt auf hybride Modelle statt auf vollständige Telearbeit.
Fokus auf Kompetenzen
Der Arbeitsmarkt bewegt sich in Richtung "Skills-based Hiring" – praktische Fähigkeiten zählen mehr als formale Abschlüsse. Für Telearbeiter:innen bedeutet das: Selbstorganisation, Kommunikationsfähigkeit und digitale Kompetenz werden zu Schlüsselqualifikationen.
Technologie-Integration
KI-Tools und digitale Collaboration-Plattformen machen Telearbeit effizienter. Gleichzeitig bleiben menschliche Fähigkeiten wie Empathie und Zwischenmenschlichkeit unverzichtbar – gerade in der räumlich getrennten Zusammenarbeit.
Internationale Perspektive
Grenzüberschreitende Telearbeit wird durch die multilaterale EU-Rahmenvereinbarung seit Juli 2023 erleichtert. Arbeitnehmer:innen können bis zu 49% ihrer Arbeitszeit im EU-Ausland verbringen und bleiben dabei in Österreich sozialversichert.
UNSER FAZIT FÜR DICH
Das neue Telearbeitsgesetz ab 2025 ist ein wichtiger Schritt in die Zukunft der Arbeit. Es bietet mehr Flexibilität als je zuvor: Ob Homeoffice, Co-Working-Space oder Café – Arbeiten ist dort möglich, wo es am besten passt.
Die Vorteile überwiegen: Mehr Flexibilität und damit bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit, Zeitersparnis, Kostenreduktion für beide Seiten und Umweltschutz. Es profitieren Arbeitgeber:innen, Arbeitnehmer:innen und die Gesellschaft.
Wichtig ist: Telearbeit erfordert klare Vereinbarungen, die richtige Infrastruktur und Disziplin von beiden Seiten. Arbeitgeber:innen müssen in Technologie und Kommunikation investieren. Arbeitnehmer:innen brauchen Selbstorganisation und die Fähigkeit, Grenzen zu setzen.
Die Entwicklung zeigt: Telearbeit ist gekommen, um zu bleiben – auch wenn sie sich von einem selbstverständlichen Standard zu einem attraktiven Benefit entwickelt. Unternehmen, die flexible Arbeitsmodelle anbieten, haben im Wettbewerb um Talente klare Vorteile. Gleichzeitig entspricht die Telearbeit den Ansprüchen und Wünschen der modernen Arbeitskräfte, die nach einer besseren Work-Life-Balance streben.
In den Branchen, in denen Telearbeit möglich ist, wird sie auch 2026 und darüber hinaus ein fester Bestandteil der Arbeitswelt bleiben.