Was ist "Quiet Quitting"? Vielleicht die Lösung so mancher Probleme!

Überstunden, Anrufe und Nachrichten nach Feierabend, andere Aufgaben als ursprünglich vereinbart ... Kennen Sie das? Für viele ist das Alltag im Arbeitsleben. Doch damit soll jetzt Schluss sein. "Quiet Quitting" bezeichnet die Vorstellung, nur das zu tun, wofür Arbeitnehmer*innen auch bezahlt werden. Nicht mehr. Und auch nicht weniger.

Was ist "Quiet Quitting"?

Was ist "Quiet Quitting"?

Dienst nach Vorschrift beziehungsweise nach Vereinbarung.

Das steckt hinter dem Begriff "Quiet Quitting" - übersetzt "stille Kündigung" - und das wünschen sich immer mehr, insbesondere jüngere, Arbeitnehmer*innen.

  • Keine Überstunden,
  • keine Anrufe und Nachrichten nach Dienstende und auch
  • keine zusätzlichen, nicht vereinbarten Aufgaben.

TikTokBekannt wurde der Begriff durch ein Tiktok-Video des Users @zaidleppelin.

In dessen Inhalt er die Idee hinter "Quiet Quitting" erklärt. Er beschreibt, dass es nicht darum geht, den Job zu kündigen, sondern die Mehrarbeit. Es geht darum, nicht mehr Teil der "Hustle Culture" zu sein, in der die berufliche Leistung im Mittelpunkt steht und oft über die körperliche Belastungsgrenze hinaus gearbeitet wird.

Man soll nicht mehr die sprichwörtliche Extrameile gehen. Zumindest nicht, ohne für diese Extrameile ent- beziehungsweise belohnt zu werden. Der Hashtag #quietquitting zählte am 31. August 2022 bereits mehr als 70 Millionen Aufrufe. Die Vorstellung trifft also offenbar einen Nerv.


Der Arbeitsmarkt verändert sich - nicht nur in den USA

Der Trend des "Quiet Quittings" folgt in den USA auf das Phänomen, das "Great Resignation" genannt wird. Seit Beginn der Pandemie haben viele Arbeitnehmer*innen ihre Jobs gekündigt, weil sie schlechte Arbeitsbedingungen nicht mehr akzeptieren wollten.

Zusätzlich wurden viele Beschäftige gekündigt. Trotz Personalmangel soll der Betrieb jedoch aufrechterhalten werden, was zu Mehrarbeit für die verbliebenen Mitarbeiter*innen führt. Zum Teil wollen diese nun, wie gesagt, ihre Jobs zwar nicht kündigen, die Mehrarbeit allerdings auch nicht länger (er)tragen. Die Arbeitsbedingungen und die Wertschätzung erbrachter Leistung müssen sich ändern.


"Quiet Quitting" in Österreich

Wird es in Österreich vielleicht noch nicht unbedingt als "Quiet Quitting" bezeichnet, so zeichnen sich auch hier entsprechende Entwicklungen ab - wie auch der Arbeitsklima Index zeigt.

Dessen Inhalt macht die Unzufriedenheit am österreichischen Arbeitsmarkt deutlich. Die Menschen sind nämlich laut Befragung so unzufrieden mit ihrer Arbeit wie seit 25 Jahren nicht mehr. Mehr als die Hälfte der Vollzeitarbeitskräfte gibt an, dass sie gerne weniger arbeiten würden, als derzeit vertraglich vereinbart.

Mögliche Gründe für die Unzufriedenheit der Arbeitnehmer*innen:

  • psychischer Stress,
  • Überstunden,
  • lange Arbeitszeiten und
  • mangelnde Unterstützung durch die Führungskräfte.

Veränderte Ansprüche an die Jobs und Arbeitgeber:

Auch in Österreich haben sich die Ansprüche an die Jobs in den vergangenen 25 Jahren sehr verändert. Der Wandel vom Arbeitgeber- zum Bewerbermarkt ist heute längst Realität. Die begehrten Facharbeitskräfte der Zukunft kennen ihre Stellung, gewinnen an Selbstbewusstsein und stellen Forderungen an künftige Arbeitgeber wie beispielsweise:

  • Flexible Arbeitszeiten
  • Mobiles und ortsunabhängiges Arbeiten (Remote Work)
  • Tag(e) im Home Office
  • 4-Tage-Woche und das bei fairer Bezahlung

All das sind die Wünsche der Arbeitnehmer*innen, wird es im Arbeitsklima-Index zusammengefasst wird.

Arbeitsbedingungen und -plätze müssen sich zwangsläufig dahingehend ändern, wenn Unternehmen langfristig erfolgreich sein wollen. Denn so können sie sich im Kampf um die begehrten Fachkräfte durchsetzen und ihre Beschäftigten halten.


Es geht um Selbstfürsorge

Beim "Quiet Quitting" geht es allem voran um Selbstfürsorge. In Anbetracht dessen, dass immer mehr Menschen sehr unter der Belastung ihres Arbeitsalltags leiden und Erkrankungen wie Depressionen und Burnout zunehmen, scheint eine gesunde Selbstfürsorge auch angebracht.

Eine Studie aus 2017 erarbeitete erstmals Zahlen zu Erkrankungen von Burnout in Österreich.

Das Ergebnis:

  • 19 % der Befragten können dem sogenannten Problemstadium,
  • 17 % dem Übergangsstadium und
  • 8 % dem Burnout-Erkrankungsstadium zugeordnet werden.
  • Nur 52 % der Befragten gelten als gesund.

UNSER FAZIT FÜR DICH

Für viele stellt der Anspruch und die Idee, die hinter "Quiet Quitting" steht, eine Selbstverständlichkeit dar: Aufgaben, die außerhalb der Zuständigkeit liegen, Überstunden oder Anrufe und Nachrichten in der Freizeit nicht mehr zu akzeptieren. Zumindest nicht, ohne für diese Leistungen ent- und belohnt zu werden. Befragungen und ein Blick in den Arbeitsalltag vieler Menschen zeigen: Das ist es nicht. Auch wenn es das vielleicht sein sollte.

Denn "Quiet Quitting" steht für Selbstfürsorge. Immer mehr Beschäftigte geben an, unter dem Druck und Stress ihres Arbeitsalltags zu leiden und immer mehr leiden an psychischen Erkrankungen aufgrund von zu hoher Belastung. Davon profitiert niemand. Kein*e Arbeitgeber*in und bestimmt nicht die Arbeitnehmer*innen. Deshalb plädieren wir dafür, Dienst nach Vorschrift und/oder nach Vereinbarung zu unterstützen, erbrachte Leistungen anzuerkennen und zu belohnen beziehungsweise entlohnen.

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