Die Alterspyramide und ihren Einfluss auf den Arbeitsmarkt

Unternehmen klagen schon seit geraumer Zeit über Fachkräftemangel. Immer mehr Betrieben gehen die "guten Leute" aus. Das liegt auch daran, dass unsere Gesellschaft altert. Während immer mehr Menschen in Pension gehen, kommt nur wenig Nachwuchs auf den Arbeitsmarkt - die Geburtenrate sinkt. Wir haben uns das Thema Alterspyramide angesehen.

Die Alterspyramide

Was ist eine Alterspyramide?

Eine Alterspyramide oder Bevölkerungspyramide ist eine graphische Darstellung der Altersstruktur einer ausgewählten Bevölkerung, zum Beispiel eines Landes, einer Region, oder einer Stadt. Die Altersstruktur wird dabei getrennt nach Männern auf der linken und Frauen auf der rechten Seite dargestellt.

  • Die X-Achse zeigt die Anzahl der Menschen eines bestimmten Lebensalters,
  • die Y-Achse das Lebensalter der Menschen dargestellt in 5-Jahres-Schritten.

Von einer Alterspyramide spricht man deshalb, weil die ersten wissenschaftlichen Darstellungen von Bevölkerungsstruktur wie ein nach oben schließendes Dreieck aussahen. Früher gab es auch in den westlichen Industriestaaten eine höhere Geburtenrate und eine geringere Lebenserwartung, wodurch der Anteil der Menschen mit steigendem Alter abnahm. Grafisch umgesetzt führt das schließlich zur Alterspyramide.

In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern weist die Altersstruktur nach wie vor eine Pyramidenform auf. Die Bevölkerung der Industriestaaten Europas weisen jedoch mittlerweile zumeist die Zwiebel- oder Urnenform auf, weil ihre Geburtenrate sinkt, während sie eine höhere Lebenserwartung vorweisen können.

Altersstruktur der Bevölkerung 01.01.2022

Grafik: eigene Darstellung
Quelle: Statistik Austria; Statistik des Bevölkerungsstandes

Neben diesen beiden häufigsten Form zählen auch die "Pagodenform", die "Bienenstockform", die "Glockenform" und die "Tannenbaumform".


Was ist der demografische Wandel?

Der demografische Wandel bezeichnet den Wandel der Bevölkerungsstruktur. In Mitteleuropa definiert er das, was der Wechsel von Bevölkerungspyramide zur Bevölkerungsurne grafisch darstellt - unsere Gesellschaft altert zunehmend.

Neben dem Alter kann sich der demografische Wandel auch

  • in der Gesamtzahl der Bevölkerung,
  • der Zu- oder Abwanderung oder
  • im Verhältnis der Geschlechter äußern.

Während Veränderungen bei diesen Faktoren für den Arbeitsmarkt allerdings zumindest in Österreich nicht von großer Relevanz sind, wird der Wandel der Altersstruktur laut Prognosen Konsequenzen tragen.

Statistik Austria zufolge wird der

  • Anteil älterer Menschen im Pensionsalter ab 65 bis zum Jahr 2100 um 10 % steigen,
  • der Anteil derer zwischen 18 und 65 wird um 10 % abnehmen.

Welche Gründe stecken hinter dem demografischen Wandel?

Unsere Gesellschaft altert, das ist Fakt. Rein statistisch betrachtet, hat das zwei Gründe:

  1. Die Geburtenzahlen sinken und
  2. die Lebenserwartung steigt.

Das kann in beiden Fällen vor allem auch kulturelle und soziale Hintergründe haben, die wiederum Auswirkungen verschiedener gesellschaftlichen Ursachen sind.


Warum sinken die Geburtenzahlen?

Dass die sogenannte Fertilitätsrate sinkt, lässt sich vor allem an einem Wandel des Lebensstils festmachen.

Karriere vor Kinder

Die klassische Ehe zwischen Mann und Frau, aus der zwei bis drei Kinder hervorgehen, befindet sich auf dem absteigenden Ast. Immer mehr Menschen entscheiden sich für alternative Lebensstile und das Single-Dasein - oft auch, weil die Karriere für viele Menschen im Vordergrund steht und nicht mit dem Kinder großziehen in Einklang gebracht werden kann.

Kurzfristige Partnerschaften und Trennungen

Auch die Zahl der Scheidungen und der kurzfristigen Partnerschaften steigt. Ältere Menschen und konservative sehen darin oft einen Werteverfall, den die postmoderne Gesellschaft mit all ihren neuen Möglichkeiten mit sich bringt. Prognosen besagen jedenfalls, dass sich dieser Trend noch steigern und maßgeblich auf die Struktur der Bevölkerung auswirken wird.

Fortschreitende Wandel der Geschlechterrollen

Während Frauen früher noch für das Großziehen der Kinder verantwortlich waren und gemacht wurden, streben sie seit geraumer Zeit nach Gleichberechtigung und Selbstverwirklichung in Form einer beruflichen Karriere. Mit Kindern ist das oft schwer vereinbar. Das geht mit der Tatsache einher, dass in Österreich gerade auf dem Land keine guten Betreuungsangebote für Kinder herrschen. Vielen fehlt es einfach an Zeit und Geld, eine Familie zu gründen.

Fortschritt von Verhütungsmethoden

Zuletzt sorgt auch der Fortschritt hinsichtlich Verhütungsmethoden für eine sinkende Geburtenrate. Das machte sich schon in den 1960er-Jahren mit der Einführung der Anti-Baby-Pille durch den sogenannten "Pillenknick" in der Altersstruktur bemerkbar. Heute sorgen weitere Produkte wie die Hormon- oder Kupferspirale dafür, dass auch weniger Kinder "unabsichtlich" gezeugt werden.


Warum steigt die Lebenserwartung?

Medizinischer Fortschritt

In hochentwickelten Industrieländern werden die Menschen immer älter. Das ist vor allem auf den medizinischen Fortschritt zurückzuführen. Verbreitete Krankheiten, die gerade im Alter auftreten, können immer erfolgreicher und langfristiger behandelt werden. Dazu zählen vor allem Krebs oder Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Bessere Hygieneverhältnisse

Auch die besseren Hygieneverhältnisse in Industriestaaten sorgen für weniger Infektionskrankheiten und somit für ein längeres Leben - eine Entwicklung, die sich in den nächsten Jahrzehnten noch weiter verstärken wird.

Bessere Arbeitsbedingungen

Darüber hinaus führen auch die besseren Arbeitsbedingungen zu einem längeren Leben. Während gerade Männer zu Zeiten der Industrialisierung große körperliche Anstrengungen auf sich nehmen mussten, können immer mehr Jobs heute bequem vom Schreibtisch aus erledigt werden. Das macht sich auch bei der sogenannten Mortalitätsrate bemerkbar. Es gilt als medizinischer Fakt, dass ein weniger durch jahrzehntelange körperliche Arbeit geschundener Körper auch länger lebt.

Verbesserung des Lebensstils

Zuletzt führt auch eine Verbesserung des Lebensstils zu einem höheren Alter: So fangen heute immer weniger Menschen an, zu rauchen, auch der exzessive Alkoholismus nimmt ab.

Gleichzeitig sprießen Trends zur gesunden Ernährung. Das muss allerdings gemeinsam mit Gegentrends zu Fast Food und Fertigprodukten, gedacht werden, was diese Entwicklung neutralisieren kann. Das ist vor allem in den USA der Fall ist, wo vor allem auch Fettleibigkeit, aber zum Beispiel auch die Opioid-Krise zu einer höheren Sterberate führt.


Welche Auswirkungen hat der demografische Wandel auf den Arbeitsmarkt?

Warum es für unsere Wirtschaft ein langfristiges Problem darstellt, dass in Zukunft auch in Österreich immer weniger erwerbstätige Personen existieren werden, liegt auf der Hand.

Während ältere Menschen ihre Zeit im Unternehmen absitzen und dabei hohe Gehälter kassieren, kommen immer weniger junge und innovative Fachkräfte nach. Der Wettbewerb um qualifiziertes Personal wird sich schon in den nächsten Jahren immer weiter zuspitzen.

Vor allem Branchen, in denen jetzt bereits gravierender Fachkräftemangel herrscht, werden durch den demografischen Wandel weiter geplagt werden. Dazu zählen zum Beispiel

  • die Pflege,
  • der Handel,
  • der Tourismus sowie
  • technische und handwerkliche Berufe,

wie aus einer AMS-Studie hervorgeht.

Ein weiterer Sektor, wo der Wandel der Alterspyramide bedenkliche Ausmaße annehmen könnte, ist

  • die Medizin: So werden in Österreich bis 2035 ein Drittel der derzeit praktizierenden Hausärzte und Hausärztinnen in die Pension geht. Wie die Lücken, die dabei in der medizinischen Versorgung gerade auf dem Land entstehen, gefüllt werden sollen, ist derzeit noch unklar.

Zu den Verlierern dieser Entwicklung gehören vor allem kleinere und mittlere Unternehmen, denen oft auch die Ressourcen fehlen, die große Unternehmen für das Recruiting aktivieren können. Der Trend, dass kleine Betriebe von großen Konglomeraten "geschluckt" werden, dürfte sich also auch aufgrund des demografischen Übergangs fortsetzen.


Wie können Unternehmen sich auf den Bevölkerungswandel vorbereiten?

Attraktives Arbeitgeberimage schaffen

Für Betriebe stellt der im Wandel bestehende Altersaufbau eine große Herausforderung dar. Für Arbeitgeber*innen ist es daher von großer Wichtigkeit, sich auf diese bereits eingesetzte Entwicklung vorzubereiten. Das kann zum Beispiel durch ein besseres "Employer Branding" gelingen - also die Selbstpräsentation als attraktiver Arbeitgeber am Markt.

Ein besseres Arbeitgeberimage kann zum Beispiel durch

Attraktive (altersgerechte) Arbeitsplätze schaffen

Unternehmer*innen müssen auch bedenken, dass sich ältere Menschen in ihren Betrieben mehren werden. Es gilt daher, den Arbeitsplatz altersgerecht zu gestalten und Fortbildungsangebote für ältere Mitarbeitende zu schaffen, damit auch diese sich nach wie vor effektiv und motiviert im Arbeitsalltag einbringen können. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt hier eine wesentliche Rolle, denn die Nachfrage potenzieller Bewerber*innen steigt.

Internes Wissensmanagement optimieren

Auch die Kommunikationswege zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitenden müssen gepflegt und verbessert werden. So können erfahrene Arbeiter*innen ihr Wissen zum Beispiel effizient an jüngere weitergeben und Generationenkonflikte vermieden werden.

Erwartungshaltung im Recruiting anpassen

Zuletzt sollten Unternehmen im Zuge des Wandels und dem vorherrschten Bewerbermarkts auch vermehrt darauf achten, beim Recruiting über den Tellerrand zu schauen und dabei Zielgruppen anzusprechen, die oft vernachlässigt werden. Dazu zählen

Auch wenn es für Arbeitgeber*innen nicht praktikabel ist: die Erwartungen an Jobsuchende müssen den Verhältnissen besser angepasst werden.


UNSER FAZIT FÜR DICH

Der Wandel der Altersstruktur in Österreich ist eine bedeutungsvolle Entwicklung, die bereits jetzt eingesetzt ist und sich schon in unmittelbarer Zukunft, also den nächsten 10 bis 20 Jahren, verstärken wird. Das ist eine Tatsache, die sich, sei es durch politische Maßnahmen oder einen kulturellen Paradigmenwechsel, auf längere Sicht nicht vermeiden lassen.

Arbeitgeber*innen müssen dem ins Auge blicken und ihre Firmen "demografie-fit" machen, wenn sie am Arbeitsmarkt weiter bestehen wollen. Das gilt vor allem für kleinere Unternehmen. Denn sonst werden neben ihnen vor allem junge und ambitionierte Menschen aufgrund der schlechten Lage am Arbeitsmarkt die größten Verlierer des demografischen Wandels sein - genau jene Gruppe, die für den Erhalt unserer Wirtschaft so wichtig ist.

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