Kategorie: Human Resources | Lesedauer: 06 min | aktualisiert am 12. März 2026
Zielgruppe: Arbeitgeber:innen
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Was ist eine Alterspyramide?
Eine Alterspyramide oder Bevölkerungspyramide ist eine graphische Darstellung der Altersstruktur einer ausgewählten Bevölkerung, zum Beispiel eines Landes, einer Region, oder einer Stadt. Die Altersstruktur wird dabei getrennt nach Männern auf der linken und Frauen auf der rechten Seite dargestellt.
- Die X-Achse zeigt die Anzahl der Menschen eines bestimmten Lebensalters,
- die Y-Achse das Lebensalter der Menschen dargestellt in 5-Jahres-Schritten.
Von einer Alterspyramide spricht man deshalb, weil die ersten wissenschaftlichen Darstellungen von Bevölkerungsstruktur wie ein nach oben schließendes Dreieck aussahen. Früher gab es auch in den westlichen Industriestaaten eine höhere Geburtenrate und eine geringere Lebenserwartung, wodurch der Anteil der Menschen mit steigendem Alter abnahm. Grafisch umgesetzt führt das schließlich zur Alterspyramide.
In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern weist die Altersstruktur nach wie vor eine Pyramidenform auf. Die Bevölkerung der Industriestaaten Europas weisen jedoch mittlerweile zumeist die Zwiebel- oder Urnenform auf, weil ihre Geburtenrate sinkt, während sie eine höhere Lebenserwartung vorweisen können.
Grafik: eigene Darstellung
Quelle: Statistik Austria; Statistik des Bevölkerungsstandes
Neben diesen beiden häufigsten Form zählen auch die "Pagodenform", die "Bienenstockform", die "Glockenform" und die "Tannenbaumform".
Was ist der demografische Wandel?
Der demografische Wandel bezeichnet den Wandel der Bevölkerungsstruktur. In Mitteleuropa definiert er das, was der Wechsel von Bevölkerungspyramide zur Bevölkerungsurne grafisch darstellt - unsere Gesellschaft altert zunehmend.
Neben dem Alter kann sich der demografische Wandel auch
- in der Gesamtzahl der Bevölkerung,
- der Zu- oder Abwanderung oder
- im Verhältnis der Geschlechter äußern.
Zuwanderung spielt für Österreich eine zentrale Rolle. Ohne Nettozuwanderung würde die österreichische Bevölkerungszahl bereits heute schrumpfen – laut Statistik Austria auf das Niveau der 1950er Jahre bis 2080. Die Zuwanderung ist damit nicht nur ein demografisches Phänomen, sondern ein entscheidender Faktor für die Stabilität des Arbeitsmarkts und der Sozialsysteme.
Statistik Austria zufolge wird der
- Anteil der über 65-Jährigen bis 2100 auf rund 29 % der Gesamtbevölkerung steigen (von aktuell ca. 20 %),
- der Anteil der 20- bis 64-Jährigen auf rund 52 % sinken (Quelle: Statistik Austria, Bevölkerungsprognose 2025).
Österreichs Geburtenbilanz ist seit 2020 dauerhaft negativ. Die Zahl der Erwerbspersonen (20–64 Jahre) hat laut Statistik Austria bereits 2022 ihr vorläufiges Maximum erreicht und wird bis 2040 um rund 244.000 Personen bzw. 4 % sinken. Ab 2040 bleibt sie weitgehend konstant, bevor sie ab 2060 wieder leicht steigt. Das erhöht den Druck auf den Arbeitsmarkt sowie das Pensions- und Gesundheitssystem erheblich.
Welche Gründe stecken hinter dem demografischen Wandel?
Unsere Gesellschaft altert, das ist Fakt. Rein statistisch betrachtet, hat das zwei Gründe:
- Die Geburtenzahlen sinken und
- die Lebenserwartung steigt.
Das kann in beiden Fällen vor allem auch kulturelle und soziale Hintergründe haben, die wiederum Auswirkungen verschiedener gesellschaftlichen Ursachen sind.
Warum sinken die Geburtenzahlen?
Dass die sogenannte Fertilitätsrate sinkt, lässt sich vor allem an einem Wandel des Lebensstils festmachen.
Karriere vor Kinder
Die klassische Ehe zwischen Mann und Frau, aus der zwei bis drei Kinder hervorgehen, befindet sich auf dem absteigenden Ast. Immer mehr Menschen entscheiden sich für alternative Lebensstile und das Single-Dasein - oft auch, weil die Karriere für viele Menschen im Vordergrund steht und nicht mit dem Kinder großziehen in Einklang gebracht werden kann.
Kurzfristige Partnerschaften und Trennungen
Auch die Zahl der Scheidungen und der kurzfristigen Partnerschaften steigt. Prognosen besagen jedenfalls, dass sich dieser Trend noch steigern und maßgeblich auf die Struktur der Bevölkerung auswirken wird.
Fortschreitende Wandel der Geschlechterrollen
Während Frauen früher noch für das Großziehen der Kinder verantwortlich waren und gemacht wurden, streben sie seit geraumer Zeit nach Gleichberechtigung und Selbstverwirklichung in Form einer beruflichen Karriere. Mit Kindern ist das oft schwer vereinbar. Das geht mit der Tatsache einher, dass in Österreich gerade auf dem Land keine guten Betreuungsangebote für Kinder herrschen. Vielen fehlt es einfach an Zeit und Geld, eine Familie zu gründen.
Fortschritt von Verhütungsmethoden
Zuletzt sorgt auch der Fortschritt hinsichtlich Verhütungsmethoden für eine sinkende Geburtenrate. Das machte sich schon in den 1960er-Jahren mit der Einführung der Anti-Baby-Pille durch den sogenannten "Pillenknick" in der Altersstruktur bemerkbar. Heute sorgen weitere Produkte wie die Hormon- oder Kupferspirale dafür, dass auch weniger Kinder "unabsichtlich" gezeugt werden.
Warum steigt die Lebenserwartung?
Medizinischer Fortschritt
In hochentwickelten Industrieländern werden die Menschen immer älter. Das ist vor allem auf den medizinischen Fortschritt zurückzuführen. Verbreitete Krankheiten, die gerade im Alter auftreten, können immer erfolgreicher und langfristiger behandelt werden. Dazu zählen vor allem Krebs oder Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.
Bessere Hygieneverhältnisse
Auch die besseren Hygieneverhältnisse in Industriestaaten sorgen für weniger Infektionskrankheiten und somit für ein längeres Leben - eine Entwicklung, die sich in den nächsten Jahrzehnten noch weiter verstärken wird.
Bessere Arbeitsbedingungen
Darüber hinaus führen auch die besseren Arbeitsbedingungen zu einem längeren Leben. Während gerade Männer zu Zeiten der Industrialisierung große körperliche Anstrengungen auf sich nehmen mussten, können immer mehr Jobs heute bequem vom Schreibtisch aus erledigt werden. Das macht sich auch bei der sogenannten Mortalitätsrate bemerkbar. Es gilt als medizinischer Fakt, dass ein weniger durch jahrzehntelange körperliche Arbeit geschundener Körper auch länger lebt.
Verbesserung des Lebensstils
Zuletzt führt auch eine Verbesserung des Lebensstils zu einem höheren Alter: So fangen heute immer weniger Menschen an, zu rauchen, auch der exzessive Alkoholismus nimmt ab.
Gleichzeitig sprießen Trends zur gesunden Ernährung. Das muss allerdings gemeinsam mit Gegentrends zu Fast Food und Fertigprodukten, gedacht werden, was diese Entwicklung neutralisieren kann. Das ist vor allem in den USA der Fall ist, wo vor allem auch Fettleibigkeit, aber zum Beispiel auch die Opioid-Krise zu einer höheren Sterberate führt.
Welche Auswirkungen hat der demografische Wandel auf den Arbeitsmarkt?
Warum es für unsere Wirtschaft ein langfristiges Problem darstellt, dass in Zukunft auch in Österreich immer weniger erwerbstätige Personen existieren werden, liegt auf der Hand.
Während ältere Belegschaften in Pension gehen, kommen immer weniger junge und innovative Fachkräfte nach. Der Wettbewerb um qualifiziertes Personal wird sich schon in den nächsten Jahren immer weiter zuspitzen.
Vor allem Branchen, in denen jetzt bereits gravierender Fachkräftemangel herrscht, werden durch den demografischen Wandel weiter geplagt werden. Dazu zählen zum Beispiel
- die Pflege,
- der Handel,
- der Tourismus sowie
- technische und handwerkliche Berufe,
wie aus einer AMS-Studie hervorgeht. Laut AMS galten für 2025 österreichweit 81 Berufe als Mangelberufe; für 2026 sind es 64 – nicht weil der Bedarf gesunken ist, sondern weil sich die Wirtschaft strukturell neu sortiert hat (Quelle: AMS Österreich, 2026).
Ein weiterer Sektor, wo der Wandel der Alterspyramide bedenkliche Ausmaße annehmen könnte, ist
- die Medizin: So werden in Österreich bis 2035 ein Drittel der derzeit praktizierenden Hausärzte und Hausärztinnen in die Pension geht. Wie die Lücken, die dabei in der medizinischen Versorgung gerade auf dem Land entstehen, gefüllt werden sollen, ist derzeit noch unklar. Als Reaktion darauf setzt die Bundesregierung auf Primärversorgungseinheiten (PVE): Bis 2025 sollten österreichweit 120 dieser interprofessionellen Versorgungszentren entstehen.
NEU: PENSIONSREFORM FRAUEN (ab 2024): Die schrittweise Anhebung des Regelpensionsalters der Frauen auf 65 Jahre führt seit 2024 zu erheblichen Beschäftigungszuwächsen bei den ab 60-jährigen Arbeitnehmerinnen. Das mildert den demografisch bedingten Rückgang des Arbeitskräftepotenzials kurzfristig ab und ist ein wichtiges arbeitsmarktpolitisches Instrument (Quelle: WIFO, 2025).
Zu den Verlierern dieser Entwicklung gehören vor allem kleinere und mittlere Unternehmen, denen oft auch die Ressourcen fehlen, die große Unternehmen für das Recruiting aktivieren können. Der Trend, dass kleine Betriebe von großen Konglomeraten "geschluckt" werden, dürfte sich also auch aufgrund des demografischen Übergangs fortsetzen.
Wie können Unternehmen sich auf den Bevölkerungswandel vorbereiten?
Attraktives Arbeitgeberimage schaffen
Für Betriebe stellt der im Wandel bestehende Altersaufbau eine große Herausforderung dar. Für Arbeitgeber:innen ist es daher von großer Wichtigkeit, sich auf diese bereits eingesetzte Entwicklung vorzubereiten. Das kann zum Beispiel durch ein besseres "Employer Branding" gelingen - also die Selbstpräsentation als attraktiver Arbeitgeber am Markt.
Ein besseres Arbeitgeberimage kann zum Beispiel durch
- höhere Gehälter oder Sonderzahlungen
- Benefits für Mitarbeiter:innen oder
- flexiblere Arbeitszeiten (z.B. 4-Tage-Woche realisiert werden.
Attraktive (altersgerechte) Arbeitsplätze schaffen
Unternehmer:innen müssen auch bedenken, dass sich ältere Menschen in ihren Betrieben mehren werden. Es gilt daher, den Arbeitsplatz altersgerecht zu gestalten und Fortbildungsangebote für ältere Mitarbeitende zu schaffen, damit auch diese sich nach wie vor effektiv und motiviert im Arbeitsalltag einbringen können. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt hier eine wesentliche Rolle, denn die Nachfrage potenzieller Bewerber:innen steigt.
Internes Wissensmanagement optimieren
Auch die Kommunikationswege zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitenden müssen gepflegt und verbessert werden. So können erfahrene Arbeiter:innen ihr Wissen zum Beispiel effizient an jüngere weitergeben und Generationenkonflikte vermieden werden.
Erwartungshaltung im Recruiting anpassen
Zuletzt sollten Unternehmen im Zuge des Wandels und dem vorherrschten Bewerbermarkts auch vermehrt darauf achten, beim Recruiting über den Tellerrand zu schauen und dabei Zielgruppen anzusprechen, die oft vernachlässigt werden. Dazu zählen
- Menschen mit Familien,
- Quereinsteiger:innen
- Migrationshintergrund oder mit
- geringeren Qualifikationen oder
- weniger Erfahrung.
Auch wenn es für Arbeitgeber:innen nicht praktikabel ist: die Erwartungen an Jobsuchende müssen den Verhältnissen besser angepasst werden.
Digitalisierung und KI als Antwort auf den Fachkräftemangel
Ein zunehmend wichtiger Hebel gegen den Fachkräftemangel ist der gezielte Einsatz von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Automatisierung kann Routineaufgaben übernehmen, Prozesse effizienter gestalten und so den Personalbedarf in einzelnen Bereichen reduzieren. Besonders im Pflege- und Gesundheitsbereich gewinnen KI-gestützte Dokumentation und Telemedizin an Bedeutung. Das entlastet Fachkräfte und schafft mehr Kapazität für jene Tätigkeiten, die menschliche Kompetenz erfordern.
UNSER FAZIT FÜR DICH
Der Wandel der Altersstruktur in Österreich ist eine bedeutungsvolle Entwicklung, die bereits jetzt eingesetzt ist und sich schon in unmittelbarer Zukunft, also den nächsten 10 bis 20 Jahren, verstärken wird. Das ist eine Tatsache, die sich, sei es durch politische Maßnahmen oder einen kulturellen Paradigmenwechsel, auf längere Sicht nicht vermeiden lässt. Österreich wächst derzeit nur dank Zuwanderung; ohne Migration wäre das Arbeitskräftepotenzial bereits im Schrumpfen.
Arbeitgeber:innen müssen dem ins Auge blicken und ihre Firmen "demografie-fit" machen, wenn sie am Arbeitsmarkt weiter bestehen wollen. Das gilt vor allem für kleinere Unternehmen. Denn sonst werden neben ihnen vor allem junge und ambitionierte Menschen aufgrund der schlechten Lage am Arbeitsmarkt die größten Verlierer des demografischen Wandels sein - genau jene Gruppe, die für den Erhalt unserer Wirtschaft so wichtig ist.