Fehlende Qualifikationen: deine Bewerbung ist (trotzdem) gefragt

Du erfüllst nicht alle Anforderungen einer Stellenausschreibung, würdest aber gerne einen Versuch wagen? Dann wage es! Häufig lohnt sich ein Versuch, gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Wir erklären dir in diesem Beitrag wann sich eine Bewerbung trotzdem lohnt, worauf du achten musst, um eine Chance zu bekommen und wann die Chancen eher schlecht stehen.

Fehlende Qualifikation: trotzdem bewerben

Warum lohnt sich eine Bewerbung trotz fehlender Qualifikationen?

Der Fachkräftemangel spielt Bewerber*innen in die Karten

Um erklären zu können, weshalb sich eine Bewerbung lohnen kann, selbst wenn du nicht alle Anforderungen erfüllst, möchten wir kurz die aktuellen Herausforderungen am Arbeitsmarkt erläutern.

Da ist einerseits der Fachkräftemangel: Arbeitgeber*innen finden immer öfter nicht genügend Fachkräfte, um offene Stellen zu besetzen. Dadurch können sie unter Umständen

  • Aufträge nicht umsetzen,
  • die Belastung für bestehende Mitarbeiter*innen steigt und
  • deren Zufriedenheit und möglicherweise gar Gesundheit leidet darunter.

So könnte sich der Personalmangel noch weiter zuspitzen. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich vom Arbeitgeber- hin zum Bewerbermarkt. Die Qual der Wahl liegt nicht mehr bei den Arbeitgeber*innen sondern bei den Bewerber*innen.

Es herrscht ein „War for Talents“.


(Job- und Karriere-)Chance für Neu- und Quereinsteiger*innen

In diesem „War for Talents“ um die wenigen Fachkräfte sind Neu- und Quereinsteiger*innen eine große Chance für Arbeitgeber*innen und immer mehr erkennen diese. Eine Bewerbung, auch wenn du nicht alle Anforderungen erfüllst, kann sich deshalb durchaus lohnen.

Quereinsteiger*innen vs. Neueinsteiger*innen

Quereinsteiger*innen sind Personen, die in eine ihnen fremde Branche oder fremdes Tätigkeitsfeld wechseln, ohne eine entsprechende Ausbildung gemacht zu haben. Neueinsteiger*innen hingegen haben meist eine (theoretische) Grundausbildung und starten neu in das Arbeitsleben. Jedenfalls haben beide keine grundlegende Berufserfahrung und konnten sich deshalb gewisse Kenntnisse auch noch nicht aneignen.

Deswegen werden sie meist in Ausschreibungen nicht angesprochen bzw. durch die gestellten Anforderungen kategorisch ausgeschlossen und in Bewerbungsprozessen, sollten sie sich dennoch bewerben, nicht berücksichtigt.

Dabei bedeutet mehr (Berufs-)Erfahrung nicht gleich mehr Können, wie auch die Wirtschaftspsychologen Uwe Peter Kanning und Philipp Fricke von der Hochschule Osnabrück in einer Studie bestätigen konnten. Die Autoren sind überzeugt, dass andere Faktoren und Soft Skills wie

  • Lernfähigkeit und Motivation,
  • Offenheit,
  • Intelligenz und
  • Selbstreflexion

wichtiger sind als Lebens- und Berufserfahrung. Dabei sind häufig gerade Neu- und Quereinsteiger*innen besonders motiviert, etwas zu lernen und Fuß zu fassen, und deshalb auch besonders engagiert. Nutze das!


Muss-Anforderungen in Stellenaus­schreibungen

Wir sind ganz ehrlich – eine Bewerbung lohnt sich nicht immer. Es gibt in jedem Beruf Anforderungen, ohne die es nicht geht und die einfach erfüllt werden müssen. Diese Muss-Anforderungen sind meist recht einfach zu identifizieren.

Sie enthalten Formulierungen wie

  • „wird vorausgesetzt“,
  • „zwingend notwendig“,
  • „Sie beherrschen“,
  • „Sie besitzen“ etc.

Wenn du diese Anforderungen nicht erfüllst, wirst du mit einer Bewerbung vermutlich nicht erfolgreich sein.


Kann-Anforderungen in Stelleninseraten

Kann-Anforderungen hingegen verschaffen Bewerber*innen zwar Vorteile, sind aber nicht zwingend notwendig. Du erkennst sie in Ausschreibungen an Formulierungen wie

  • „ist von Vorteil“,
  • „ist gewünscht“,
  • „idealerweise“ oder
  • „ist hilfreich“.

Hier solltest du anfangen, zu überlegen, ob du geeignet bist für die Stelle. Außerdem kannst du dir Formulieren zurechtlegen, dass du durchaus bereit bist, dich in neue Aufgabenbereiche einzulernen oder dich außerdem über eine Möglichkeit zur Weiterbildung freuen würdest.


Soll ich mich ohne ausreichende Qualifikation bewerben?

Ehe du dich entscheidest, Zeit und Energie in Bewerbungsunterlagen zu investieren, frage dich, ob du dir den Job zutraust. Sei dabei ehrlich zu dir selbst.

Wenn du dir sicher bist, dass du der Herausforderung gewachsen bist, dann los!

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“

Wie soll ich mich bewerben?

Mach klar, wieso du dem Job trotz mangelnder Vorkenntnisse gewachsen bist. Kenne deine Fähigkeiten, deine Stärken und auch Schwächen. Stelle dir dazu Fragen, wie:

  • Was sind meine Alleinstellungsmerkmale?
  • Was unterscheidet mich von anderen?
  • Worin bin ich besonders gut?

Im Bewerbungsschreiben listest du diese Fähigkeiten dann bestenfalls nicht nur auf, sondern belegst sie kurz anhand von konkreten Beispielen. Das kannst du auch anhand von Tätigkeiten in deiner Schul- oder Freizeit.

Ein Beispiel:

Wenn du für die Schülerzeitung geschrieben hast, Schulsprecher*in warst, dich ehrenamtlich engagiert hast oder in einem Verein tätig warst. Auslandsaufenthalte und Praktika kannst und sollst du natürlich auch anführen. Angenommen, deine früheren Tätigkeiten waren abteilungsübergreifend, wodurch du einen Einblick in neue interessante Themengebieten bekommen hast, solltest du diese Erfahrungen ausführlich schildern.

Mach dich unverwechselbar und hebe dich von der Masse weitere Bewerber*innen ab – auch von jenen, die vielleicht den Anforderungen besser entsprechen können. Dann hast du auf jeden Fall Chancen auf einen erfolgreichen Neu- oder Quereinstieg.


UNSER FAZIT FÜR DICH

Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels lohnt sich eine Bewerbung, selbst, wenn du nicht alle Anforderungen erfüllst. Denn mehr Berufserfahrung bedeuten nicht gleich mehr Können. Das wissen die Wirtschaftspsychologen Uwe Peter Kanning und Philipp Fricke und auch immer häufiger Arbeitgeber*innen. Soft Skills wie Lernfähigkeit und –Wille, Offenheit, Intelligenz, Selbstreflexion sowie Motivation und Engagement gewinnen an Stellenwert.

Deshalb plädieren wir für Mut zu Bewerbungen, auch wenn du nicht alle Anforderungen erfüllst. Und wir plädieren für Mut zu Quer- und Neueinsteiger*innen bei Arbeitgeber*innen, die im „War for Talents“ mindestens genauso profitieren können.

Weitere News