Bildungskarenz: Eine attraktive Weiterbildungschance

Das Thema Bildungskarenz ist hochbrisant – ein wahrer Trend. Immer mehr Menschen legen Wert auf eine fundierte Weiterbildung, um sich stets weiterzuentwickeln und Karriereziele zu realisieren. Die Bildungskarenz bietet dafür trotz bestehendem Arbeitsverhältnis eine geeignete Möglichkeit, sich zu Weiterbildungszwecken eine Auszeit aus dem Arbeitsalltag zu nehmen. Mit folgendem Artikel kannst du deine Fragen rund ums Thema "berufliche Weiterbildung" klären: Was ist die Bildungskarenz und was sind die Voraussetzungen, gesetzliche Bestimmungen usw.? Kann ich mich im Ausland weiterbilden? Und lässt sich die Bildungskarenz mit der Mutterkarenz verbinden? Auch die Alternative „Bildungsteilzeit“ gehen wir im unteren Teil des Beitrags etwas näher ein. In diesem Sinne wünscht dir wienerjobs.at viel Spaß beim Lesen:

Bildungskarenz: Eine attraktive Weiterbildungschance

Was bedeutet Bildungskarenz?

In der Bildungskarenz können sich Arbeitnehmer*innen außerhalb ihres Arbeitsplatzes weiterbilden, während sie Weiterbildungsgeld vom Arbeitsmarktservice (AMS) beziehen können. Die Auszeit muss mindestens zwei Monate lang sein und darf – innerhalb von vier Jahren – höchstens zwölf Monate dauern. So besteht die Möglichkeit, sich einer Ausbildung (z.B. einem Studium) auf Vollzeitbasis zu widmen, während das Arbeitsverhältnis durchgehend aufrecht bleibt.

Die Ausbildung kann verschiedenste Formen haben:

Ob man an der Universität ein Studium absolviert, einen Schulabschluss macht oder die Zeit für einen Kurs nutzt, ist einem selbst überlassen. Auch geografisch sind der Bildungskarenz keine Grenzen gesetzt: Es ist möglich, eine Ausbildung im Ausland – zum Beispiel in Form eines Sprachkurses – zu machen.


Gesetzliche Bestimmungen

Es ist wichtig zu erwähnen, dass es KEINEN Rechtsanspruch auf eine Bildungskarenz gibt. Auf dieses Thema gehen wir weiter unten noch genauer ein.

Zu beachten ist, dass während der Auszeit kein Kündigungsschutz besteht. Man darf zwar nicht aufgrund der Bildungskarenz gekündigt werden, generell darf aber während der Weiterbildungszeit eine Kündigung durch den*die Arbeitgeber*in erfolgen.

Während der Auszeit bekommt man von dem Unternehmen, in dem man angestellt ist, kein Gehalt. Das heißt, für die Firma fallen keine Kosten an. Finanziert wird die Bildungskarenz vom AMS, daher wird die Vergütung oftmals als "AMS Weiterbildungsgeld" bezeichnet. Man bekommt während der Weiterbildung eine finanzielle Unterstützung in der Höhe des Arbeitslosengeldes, mindestens jedoch in der Höhe von € 14,53 täglich. Anspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld fallen in der Zeit der Bildungskarenz weg.


Wann bekommt man Weiterbildungsgeld?

Dein Arbeitgeber entscheidet!

Als Arbeitnehmer*in hast du keinen gesetzlichen Anspruch auf Bildungskarenz. Die Entscheidung, die Auszeit zu genehmigen, liegt also im Endeffekt beim Unternehmen. Weil aber keine personaltechnischen Kosten anfallen, hast du gute Chancen für eine Zustimmung. Vor allem in Zeiten, in denen es weniger zu tun gibt, ist es sogar ein Vorteil fürs Unternehmen, eine*n Mitarbeiter*in auf Weiterbildung zu schicken. Grundsätzlich profitiert eine Firma ja auch von steigendem Fachwissen und der Kompetenz der Angestellten.

Natürlich ist es für dich leichter, dein Ansuchen für die Auszeit zu argumentieren, wenn die Ausbildung etwas mit deinem Beruf zu tun hat bzw. wenn du die dort erworbenen Fähigkeiten an deinem Arbeitsplatz einsetzen kannst. Suche also nach einem Kurs bzw. Studium, der mit deinem Job in Verbindung steht. Möglicherweise strebst du eine neue Position an, wofür die ausbildungstechnischen Voraussetzungen nur durch eine Weiterbildung erlangt werden können?

Mindestens 6 Monate langes aufrechtes Arbeitsverhältnis

Voraussetzung für die Bildungskarenz ist eine Anstellung, die bereits mindestens 6 Monate ohne Unterbrechung besteht. Damit ist gewährleistet, dass lange genug in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt wurde.

Zeitaufwand von mindestens 20 Wochenstunden

Für die Weiterbildung, die du während der beruflichen Auszeit absolvierst, musst du einen Zeitaufwand von 20 Stunden pro Woche nachweisen können. Solltest du die Voraussetzungen nicht erfüllen können, muss das Karenzgeld ans AMS zurückbezahlt werden.


Bildungskarenz Antrag

Der Antrag für die Bildungskarenz muss spätestens bei Beginn der Auszeit beim AMS gestellt werden. Du brauchst das Antragsformular für das Weiterbildungsgeld und eine schriftliche Bildungskarenz-Vereinbarung mit der Unterschrift des*r Arbeitgebers*in. Später musst du noch einen Bildungsnachweis nachreichen – eine Bestätigung der Bildungseinrichtung für die Weiterbildung inklusive der Kursdauer.

Weiter Informationen und auch den Antrag erhältst du über die AMS-Geschäftsstelle.


Bildungskarenz im Ausland

Wie schon erwähnt, ist die Bildungskarenz nicht ortsgebunden. Man kann die berufliche Auszeit mit einem Auslandsaufenthalt verbinden. Besonders Sprachkurse bieten sich an. Wenn du aus dem Alltag raus willst, den Horizont erweitern, eine Sprache lernen oder verbessern und dabei in eine andere Kultur eintauchen möchtest, könnte die Bildungskarenz im Ausland das Richtige für dich sein.


Bildungskarenz nach der Babypause

Für frisch gebackene Mamas gibt es die Möglichkeit, direkt nach der Babypause in Bildungskarenz zu gehen. Natürlich muss der*die Arbeitgeber*in auch hier ausdrücklich zustimmen.

Bildungskarenz - Eine attraktive Weiterbildungschance nach der Babypause - wienerjobs.at

Welche Vorteile hat die „Verlängerung“ der Mutterkarenz durch die Bildungskarenz?

Hat man ein Kleinkind zu betreuen, ist es natürlich von Vorteil, wenn die Lebensstrukturierung flexibler über die Bühne gehen kann. Das Online-Angebot an Kursen für die Bildungskarenz ist breit gefächert. So können sich Frauen von zu Hause aus weiterbilden und zugleich für das Baby da sein. Sie erhalten monatlich das Weiterbildungsgeld und bleiben versichert, ohne voll arbeiten zu müssen.

Ein weiterer Vorteil der Bildungskarenz nach der Babypause: Wenn man ein betreuungspflichtiges Kind unter sieben Jahren hat, genügt der Bildungsnachweis über einen Aufwand von 16 Stunden statt 20 Stunden pro Woche.


Herausforderung: Arbeitgeber überzeugen

Da die Zustimmung deines*r Arbeitgeber*in Voraussetzung für das Beantragen der Bildungskarenz ist, solltest du dir im Vorfeld überlegen, wie du argumentieren willst, um das Unternehmen von deiner Auszeit zu überzeugen. Für diese Argumentationen haben wir dir ein paar Tipps zusammengefasst:

Finanzielle Vorteile für das Unternehmen

Wie anfangs schon erwähnt, kannst du Zeiten, in denen es weniger Arbeit gibt, ideal für deine Auszeit nutzen. Da für das Unternehmen keine Kosten anfallen, kann sich der*die Arbeitgeber*in während deiner Bildungskarenz in weniger intensiven Phasen dein Gehalt einsparen.

Fachspezifisches Wissen wird angeeignet

Ein weiteres starkes Argument für eine Bildungskarenz ist die Tatsache, dass das Unternehmen von der Kompetenz und dem Fachwissen der einzelnen Mitarbeiter*innen profitieren kann. Wenn du dich weiterbildest, kannst du das erworbene Wissen später an deinem Arbeitsplatz einsetzen oder eine neue Position anstreben.

Qualifizierte Fachkräfte sind wertvolles Gut für Unternehmen. In Verbindung mit dem viel diskutiertem Fachkräftemangel setzen Arbeitgeber möglichst viele Hebel in Bewegung, um am Arbeitsmarkt bei potenziellen Bewerber*innen ein attraktives Image zu hinterlassen. Heutzutage hat sich das Rekrutieren von neuen Mitarbeiter*innen stark geändert. Man spricht hierbei auch vom Bewerbermarkt, innerhalb dem die Bewerber*innen den Ton angeben und nicht mehr die Personaler die Qual der Wahl aus einem Berg von Bewerbungen haben.

Mit Eigeninitiative glänzen

Grundsätzlich schätzen Arbeitgeber*innen, wenn Mitarbeiter*innen Eigeninitiative und Engagement an den Tag legen. Wenn du dich von dir aus mit der Idee, dich weiterzubilden, an deine*n Vorgesetzte*n wendest, wird der*die sich über deine Initiative freuen. Wenn man sich dann noch über den zeitlichen Rahmen einig werden kann, sollte der Auszeit zu Weiterbildungszwecken nichts mehr im Weg stehen.


Geringfügiger Nebenverdienst

Sollte das Geld innerhalb eines Vollzeitstudiums knapp werden, hat man das Recht neben der Ausbildung, die man absolviert, geringfügig zu arbeiten, um sich etwas dazuzuverdienen. Diese Möglichkeit besteht übrigens auch beim gleichen Arbeitgeber, der den*die Arbeitnehmer*in karenziert. Das Gehalt für einen Nebenjob darf aber die Geringfügigkeitsgrenze von € 485,85 (Stand: 2022) nicht überschreiten.

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Plan B: Berufsbegleitende Weiterbildung = Bildungsteilzeit

Wenn du Schwierigkeiten hast, die Zustimmung des Unternehmens für eine Vollzeit-Ausbildung zu bekommen, gibt es die Möglichkeit, die Arbeitszeit zugunsten der Weiterbildung zu reduzieren. Man spricht dann von einer Bildungsteilzeit. Für die entfallenen Stunden erhalten die Arbeitnehmer*innen einen so genannten Lohnersatz. Auch bei der Bildungsteilzeit gibt es keinen gesetzlichen Anspruch, somit ist ein einvernehmliches Gespräch mit dem Vorgesetzten zu führen. Idealerweise einigt man sich darin auf ein Zeitpensum, um für die Arbeit sowie die berufsbegleitende Weiterbildung gleichermaßen aufzukommen.


UNSER FAZIT FÜR DICH

Im Leben hört man niemals auf zu lernen. Dazu gibt es ein altbekanntes Sprichwort von Gerhard Uhlenbruck, ein deutscher Mediziner und Aphoristiker (1929):

„Man lernt nie aus: Aus diesem Satz sollte man lernen.“

Bildung hält das Gehirn und den Geist fit und trägt außerdem zu mehr Lebensfreude bei. Das Aneignen von Wissen oder neuen Fähigkeiten ist nämlich verbunden mit Erfolgserlebnissen. Außerdem hat sich der Anspruch an den Beruf in den letzten Jahrzehnten gewandelt: Man möchte sich heutzutage verwirklichen und entfalten, anstatt einfach nur das Auskommen zu sichern. Um eine Entwicklung im Arbeitsleben zu gewährleisten, ist es unerlässlich, interessiert zu bleiben und laufend etwas dazu zu lernen.

Die Bildungskarenz ist eine großartige Möglichkeit, eine Auszeit zu nehmen, um sich weiterzubilden, dabei seinen Arbeitsplatz aufrechtzuerhalten und mit dem Unternehmen in Verbindung zu bleiben. Auch für Auslandsaufenthalte bietet sich die Bildungskarenz an, vor allem dann, wenn du einen Sprachkurs belegen möchtest. Lerne oder verbessere eine neue Sprache und geh zugleich auf Entdeckungsreise in die große, weite Welt.

Nach einer Babypause kann die Auszeit ebenfalls sehr sinnvoll sein: Du kannst dich weiterbilden und zugleich länger zu Hause bei deinem Kind bleiben.

Die meisten Arbeitgeber*innen werden deiner Anfrage für eine Bildungskarenz gerne zustimmen. Auch sie profitieren von deiner Initiative und dem neu erworbenen Fachwissen. Scheu dich also nicht, von dieser Chance auf Erfahrung und Bildung Gebrauch zu machen.

Das Team von wienerjobs.at wünscht dir viel Erfolg dabei!

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