Tipps fürs Stelleninterview

Die Bewerbung ist eingereicht, der Termin für das persönliche Kennenlerngespräch vereinbart. Wie jetzt auf den letzten Metern zur Jobzusage nichts mehr schiefgeht, erklärt Dr. Marianne Grobner, Organisationsentwicklerin von Grobner Consulting in HR Inside. Es ist der Türöffner und die Eintrittskarte in ein Unternehmen: Das Bewerbungsgespräch. Oft entscheiden nur wenige Minuten über Zu- oder Absage, über Erfolg oder Niederlage. Doch wenn man einige wenige Punkte beachtet, kann beim Vorstellungsgespräch eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Tipps fürs Stelleninterview

Bewerben Sie sich früh

Studien haben nachgewiesen, dass Bewerber, die ihre Bewerbung am Morgen und am Wochenanfang abschicken, höhere Chancen haben, in die nächste Runde zu kommen, als wenn die Bewerbung am Ende des Arbeitstages oder am Ende der Woche einlangt.


Oberstes Gebot: Pünktlichkeit

Wenn Sie sich nicht auskennen, rechnen sie Pufferzeiten für Staus, Anmeldemodalitäten ein und warten sie lieber eine Viertelstunde im Auto oder Café gegenüber als zu spät zu kommen. Wichtig: Speichern Sie sich schon vor der Abfahrt die Telefonnummer Ihrer Ansprechperson für Notfälle. Entschuldigen Sie sich rechtzeitig bei Verspätungen und bitten sie um einen Ersatztermin.


Passende Kleidung

Ordentliche Kleidung zeigt, dass man die ausgeschriebene Stelle wertschätzt und ernst nimmt. Doch nicht überall ist heutzutage ein dunkler Business-Anzug oder Kostüm für Bewerbungen angesagt. Meist genügen meist Jeans, Hemd und Blazer. In einem Start-Up oder Werbebüro kann man auch lockerer erscheinen. Wählen sie auf jeden Fall Kleidung, in der Sie sich wohlfühlen und nicht „verkleidet“ vorkommen – das gibt Ihnen Sicherheit. Wenn Sie nicht sicher sind: lieber leicht overdressed als underdressed.


Kommen Sie vorbereitet

Sie haben die Homepage des Unternehmens, in dem Sie sich bewerben, genau studiert. Sie wissen, was das Unternehmen in welchen Ländern produziert oder anbietet. Sie haben sich den Geschäftsbericht, das Leitbild, die Werte, News angesehen und können dazu Stellung nehmen.


"Hin zu..." statt "weg von..."

Auf die Frage, warum Sie sich bewerben, können Sie klar begründen, was Sie an der angebotenen Stelle interessiert und warum Sie genau in diesem Unternehmen arbeiten wollen. Erklärungen, warum Sie von der jetzigen Stelle wegwollen, ist zu wenig.


Selbst - bewusst – sein

Spielen sie nicht auf Superstar: Selbstbewusstsein bedeutet, dass Sie wissen, was Ihnen liegt, was sie sehr gut können. Das können sie auch mit konkreten Beispielen und Erfahrungen belegen. Gerade unsere größten Stärken sind aber oft auch unsere Stolpersteine: Wer „rasch“ ist, arbeitet oft schlampig oder überfährt andere und wer „genau“ ist, kann zum lästigen Perfektionisten werden, der nichts fertigbringt. Zeigen sie, dass Sie sich bewusst sind, wo Sie Ihre Schwächen haben und wie Sie lernen, damit umzugehen. „Sei Du selbst!“ lautet die Devise!


Keine "alternativen Fakten"

Lügen haben kurze Beine: Schummeln und übertreiben Sie nicht bei Angaben über Ihren Lebenslauf. Mangelnde Sprachkompetenzen oder Berufserfahrung decken erfahrene Personaler schnell auf. Lücken im Lebenslauf, ein geschmissenes Studium oder eine Krise lieber zugeben und erklären, was man aus dieser Erfahrung gelernt hat, als versuchen, eine Weltreise vorzutäuschen.


Nicht in die Irre führen lassen

Kein Mensch weiß, wie viele Smarties in einen Smart passen oder wie viele Gärten es in Österreich gibt. Wenn man Ihnen solche Fragen stellt, so will man nur checken, wie Sie ungewöhnliche Aufgabenstellungen herangehen und ob Sie bluffen. Also nicht irgendetwas aus der Luft Gegriffenes sagen, sondern offen zugeben, dass man das nicht weiß und laut überlegen, wie man vorgehen könnte, um diese Frage zu lösen.


Eigene Fragen und Anliegen vorbereiten

Machen Sie sich eine Liste, welche Fragen für Sie wichtig sind. Geplanter Einstiegstermin, Form der Einschulung, Probezeit, Regelung von Arbeitszeiten, Fortbildungen, Homeoffice oder Arbeitsmaterial sind wichtige Informationen, die Sie erfragen können.


Realistische Gehaltsvorstellung

„Was haben Sie sich vorgestellt?“ Diese Frage wird man Ihnen wahrscheinlich stellen. Übrigens: Personaler rechnen immer mit einem Brutto-Monats- oder Jahreslohn. Diese Beträge umrechnen können sie bei diversen Online-Rechnern. Auch übliche Durchschnittsgehälter kann man inzwischen gut im Netz recherchieren. Bleiben Sie realistisch bei Ihren Lohnforderungen und mogeln Sie nicht bei Angaben zum bisherigen Gehalt.


Eindrücke und Fakten checken

Verschaffen Sie sich möglichst viele Eindrücke: Schnuppertage, Gespräche mit künftigen Kollegen und Kolleginnen, Besichtigung von Geschäften oder Besuche von offenen Firmenveranstaltungen und auch Onlineforen und Bewertungen ermöglichen einen Einblick in das Unternehmen und seine Kultur. Die Bereitschaft zu schnuppern, zeigt auch Ihr Interesse an der ausgeschriebenen Stelle.


Erster Eindruck - Fakten - Gesamtgefühl

Wahrscheinlich haben Sie einen ersten Eindruck. Dieser kann sich im Laufe des Interviews und Ihrer Recherche bestätigen oder noch verändern. Insgesamt entsteht dann ein Grundgefühl, das Ihnen sagt: „Ja!“ oder „Schon, aber...“ oder auch: „Kommt nicht in Frage!“. Wenn Sie zweifeln, so gehen Sie dem nach. Schauen Sie nochmals genau hin. Überlegen Sie, was Sie genau zweifeln lässt und versuchen Sie das eventuell in einem weiteren Gespräch zu klären. Ihr Gesamtgefühl ist eine wichtige Botschaft und wird sich meist auch nach der Entscheidung bestätigen.

HR INSIDER*IN: Marianne Grobner

Dr. Marianne Grobner ist Dozentin an der FH Vorarlberg für HR-Management und Organisation, zertifizierte Aufsichtsrätin (CSE) und Unternehmensberaterin (CMC). Sie begleitet seit über 30 Jahren mit ihrem Berater*innenteam ihrer eigenen Firma grobner consulting Unternehmen und Führungskräfte in Veränderungsprojekten. Ihr besonderes Interesse gilt der Entwicklung von agilen Organisations- und Führungsmodellen. Sie wurde mehrfach mit dem Constantinus Beraterpreis ausgezeichnet. Ihre Erfahrung beschreibt sie als Autorin der Bücher „Lust auf Führung - Entwicklung von FührungsKRAFT“ und „gut beraten – Persönliche Notizen einer Beraterin“. | www.grobner.com

 

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